#95 – Vernetzung der Kirchenfrauen: Die Landesfrauenkonferenz in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck in ihren Anfängen

Sommer

Im Jahr 1987 wurde die Landesfrauenkonferenz in der EKKW von einer Aktionsgruppe der Hauptamtlichen in der Frauenarbeit und Ehrenamtlichen in den Kirchenkreisen gegründet. Die Rechtsform war nicht ein Verein, sondern ein Begleitgremium für die innerkirchliche Frauenarbeit.

Die Satzung wurde von der Landeskirche genehmigt. Der Zweck war, den Anliegen der Frauenarbeit bleibendes Gehör zu verschaffen. Denn vorausgegangen war eine kirchenpolitische Entscheidung, die die bisherige Selbständigkeit des Amtes für Frauenarbeit aufhob und Frauenarbeit nur als eine Form der Erwachsenenbildung regeln wollte. Aber die Arbeit der Frauen in der Kirche braucht eine selbständige Organisation!

Vernetzung lokaler und überregionaler Anliegen der Frauen

In der Landesfrauenkonferenz sollte eine Vernetzung der lokalen und überregionalen Anliegen der Frauen in der Kirche gewährleistet werden. “Die Frau in der Kirche kriegt Profil. Die Frauen gewinnen immer mehr Gewicht, weil sie stärker in Kirchen prägende Ämter drängen“ sagte die damalige Leiterin der Frauenarbeit Pfarrerin Ulrike Börsch. Vertreten waren Ehrenamtliche aus jedem Kirchenkreis und Vertreterinnen von kirchlichen Frauenorganisationen. Auf den Sitzungen zweimal im Jahr wurde deshalb Kirchenpolitik gemacht: Welche Themen und Forderungen der Frauenarbeit sollte in die Kirchenkreissynoden und die Landessynode getragen werden? Welche Frauen der Frauenarbeit konnten dafür als Kandidatinnen aufgestellt werden? Der Antrag, dass eine Vertreterin der Frauenarbeit in die jeweilige Kreissynode berufen werden sollte, hatte Erfolg.

Visionen quer über Themen hinweg

Der Vorstand des Landesfrauenkonferenz bot Tagungen an, um die kirchenpolitische Kompetenz der Ehrenamtlichen zu verstärken. Gegenseitige Unterstützung und Information war angesagt. In den 1980er Jahren stand der konziliare Prozess im Vordergrund: „Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung“. In der 1990er Jahren beteiligte sich die Delegierten an der internationalen ökumenischen Dekade „Kirche in Solidarität mit den Frauen“. Daraus entstand dann die Beratungsstelle „FRANKA“ für von Menschenhandel betroffene Frauen, die rund zehn Jahre später innerhalb des Diakonischen Werkes in Kassel ihren Platz fand. Zu den Visionen: „Arbeit von und mit Frauen, Arbeit im Interesse von Frauen, Arbeit mit Frauen an ihren eigenen Vorstellungen von Kirche und Glauben“ – gehörte auch eine neue Beschäftigung mit der Bibel und den vielen Frauen in unserer eigenen Kirchengeschichte, Frauengottesdienste, eigene liturgische Formen.

Die Landesfrauenkonferenz besteht noch heute, ist aktiv und gibt Anstöße, die Themen und Visionen sind geblieben.


Über die Autorin

Dorothea Gertig ist Pfarrerin und war Leiterin der Frauenarbeit in der EKKW zwischen 1991 und 2000.

Weitere Informationen finden Sie im aktuellen Ratgeber der Landesfrauenkonferenz

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