#70 – Ute Dilger: Montagabends 21:00 Uhr – mein Smartphone erinnert mich an das Friedensgebet

Weltgebetstag

Mitten in der Sitzung klingelt mein Smartphone… Peinlich? Nein! Wichtig! Es unterbricht mich heilsam: „Immer montagabends wollen wir zusammen beten – für den Frieden in der Welt!“ So hat es Laurence Gangloff vorgeschlagen, als sie Delegierte aus Europa bei der Internationalen Konferenz des World Day of Prayer war. Von da an postete sie auf Facebook montagabends um 19:00 Uhr ein Bild von einer brennenden Kerze, um alle, die der spirituellen Gebetsbewegung des WGT angehören zu erinnern.

Wenn es mich mitten in der Sitzung unterbricht, dann erkläre ich es manchmal und bete dann laut für die ganze Runde. Wenn es nicht passt, gehe ich kurz hinaus und bete still für mich. Natürlich bete ich auch sonst oft für den Frieden… aber es ist anders, wenn ich weiß, dass es jetzt gerade sehr viele von uns mit mir teilen, und es tut gut. Es ist ein kleines bisschen wie am Weltgebetstag selbst, wo ein Gottesdienst – in ganz unterschiedlichen Varianten, aber doch immer derselbe Gottesdienst – einmal um den ganzen Globus geht. Natürlich sind wir nicht die ganze Welt im kleinen Europa. Trotzdem: Es stünde Europa gut an, wenn hier besonders für Frieden gebetet würde… von hier, von Deutschland, gingen ja die beiden Weltkriege aus. Da tut so eine „spirituelle Schwarzbrot-Übung“ (Fulbert Steffensky) uns nur gut.

Beten für die Welt

Was ich denn dann genau bete? Meistens wandern meine Gedanken zu den Nachrichten. Aber es gibt auch geprägte Gebete, die mir dabei helfen, zum Beispiel dieses:

„Da die Erde sich dreht, durchziehend den Raum,
da die Nacht hereinbricht und der Tag heraufdämmert von Land zu Land,
gedenken wir der Menschen, die erwachen und schlafen, die geboren werden und sterben, die lieben und leiden,die sich fürchten und sich freuen, der Einen Welt, der Einen Menschheit. Amen“

Oder ich bitte um Gottes Segen: Gott, Quelle allen Lichts,
segne alle Menschen und alles, was den Hauch des Lebens in sich trägt.
Gott segne euch im Lauf der aufgehenden Sonne rund um die Erde.
Sei du der Morgenstern, der über Australien wacht, die Morgensonne, die über Asien aufgeht, die Sonne der Gerechtigkeit, die Afrika neuen Segen bringt,
die Morgenröte, die über Europa strahlt, das Sonnenlicht, das sich über die Weiten Süd- und Nordamerikas verschenkt.
Gott segne euch und behüte euch. Gott sorge für euch. Gott bewahre euch und erfülle euer Leben mit Liebe.
Amen

Das Gebet als politisches Statement

Ein Gebet will kein politisches Statement geben und tut es doch auch immer. Wenn es aus dem Herzen gesprochen ist, hat ein Mensch sich dabei geöffnet, sich verwundbar, empfindsam gezeigt. Das allein ist in dieser testosteron-gesteuerten, gewaltverherrlichenden Zeit schon eine subversive, gefährliche (Gebets-)Haltung, die es einzuüben gilt. Also: Smartphone oder Wecker her – und Montagabend 21:00 Uhr eingeben… damit wir zusammen heilsam unterbrochen werden.


Über die Autorin

Ute Dilger, Pfarrerin für Weltgebetstagarbeit Kassel, 2018

Foto: Pixabay

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