#97 – Monika Ilona Pfeifer: Ein Kind der fünfziger Jahre, geprägt durch die 68iger

Frauen in der Vergangenheit und heute

Bereits während der Französischen Revolution forderten gebildete Frauen wie die Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Olympe de Gouges politische Rechte für Frauen. Ihre zentrale Schrift war die 1791 veröffentlichte „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“, in ihr wird die Gleichheit und Gleichbehandlung von Frauen eingefordert. Olympe de Gouges hat ihr politisches Engagement für die Rechte der Frauen mit dem Leben bezahlt.

Der Blick in die Vergangenheit

In Deutschland erhielten Frauen erste politische Rechte im November 1918. Sie durften an den Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung teilnehmen. Mit dem Inkrafttreten der Weimarer Verfassung am 11. August 1919 wurde in Artikel 22 das Frauenwahlrecht juristisch verbrieft. Doch mit dem Wahlrecht und der Wahl politisch engagierter Frauen in die Parlamente beginnt er erst, der lange, beschwerliche mit vielen Rückschlägen versehene Weg hin zur Konkretisierung der zu gesagten Gleichberechtigung von Frauen und Männern, sowie der seit 2015 im Artikel 3, Absatz 2 GG, zugesagten staatlichen Unterstützung zur Beseitigung bestehender Nachteile.

Ein Kind der fünfziger Jahre, geprägt durch die 68iger

Geboren Anfang der fünfziger Jahre in einem typischen hessischen Arbeiter- und Bauerndorf wuchs ich zusammen mit meiner zwei Jahre jüngeren Schwester auf. Betreut wurden wir von meiner Mutter, die, obwohl seit 1949 und dank der Kasseler Sozialdemokratin Elisabeth Selbert die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Grundgesetz Artikel 3, Absatz 2 festgeschrieben war, ob einer fehlenden Möglichkeit zur Kinderbetreuung keiner Berufstätigkeit nachgehen konnte.

Frauen im Wandel der Zeit

Groß geworden in einem bildungsaffinen Arbeiterhaushalt, indem es an Büchern nie mangelte, war es für meine Eltern – trotz Spott und Häme – selbstverständlich, dass ich, ein Mädchen, Ostern 1962 auf das Gymnasium wechselte und später ein Studium aufnahm. Ich bin Teil einer kritischen, politischen Generation von Frauen, geprägt von den Bedrohungen des Ost – West – Konfliktes, die gegen die Notstandsgesetze demonstrierten, sich für die Aufnahme der von der Cap ANAMUR geretteten „Boot – People“ in der Bundesrepublik einsetzten, über die Enzyklika „HUMANAE VITAE“, die Abschaffung der Paragrafen 175 und 218 in ihrer damaligen Stringenz diskutierten.

Frauen, angekommen in der Gegenwart

Wir sind stolz, dass dank Frauen wie Alice Schwarzer, Elisabeth Schwarzhaupt, Annemarie Renger, Dr. Rita Süssmuth, Hildegard Hamm – Brücher, Elisabeth Specht, als erste Pfarrerin unserer Landeskirche und unserer politischen Haltung heute Frauen in Deutschland voll geschäftsfähig sind, ihr Leben beruflich und privat frei und selbstbestimmt gestalten können. In Not geratene Frauen in Beratungsstellen und Frauenhäusern Hilfe finden. Gleichzeitig wünsche ich mir mehr politisches Engagement junger Frauen, damit die offenen Probleme, zum Beispiel ungleiche Entlohnung, die Diskriminierung alternder Frauen, die drohende Altersarmut unter anderem mit Mut, Engagement, Fantasie gemeinsam angegangen werden.


Über die Autorin

Monika Ilona Pfeifer, geb. 1951, ist seit 2016 Gymnasiallehrerin im Ruhestand und engagiert sich ehrenamtlich im Kirchenvorstand, als Lektorin, Leiterin eines Frauenkreises und Vorsitzende der Landesfrauenkonferenz.


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