#49 – Katharina Knoche: 100 Jahre Frauenwahlrecht: Gleichberechtigung auch in der Wissenschaft?

Katharina Knoche

Seit Jahren werden Anstrengungen unternommen, die Zahl von Frauen in der Wissenschaft zu erhöhen. Zwar gibt es keine feste „Frauenquote“, doch fordern Stellenanzeigen Frauen ausdrücklich zur Bewerbung auf, es existieren Gleichstellungsteams an den Fakultäten und die Zahl der weiblichen Studienanfänger liegt regelmäßig über 50 Prozent. Dennoch entscheiden sich wenige Frauen für eine wissenschaftliche Karriere, insbesondere im noch männerdominierten Bereich der Rechtswissenschaften.

Mir geht es ähnlich. Obwohl ich Freude an der Forschung, am wissenschaftlichen Arbeiten und an der Lehre habe, ist eine Karriere in der Wissenschaft für mich keine ernstzunehmende Option.

Woran liegt das?

Natürlich spielen immer auch die persönliche Lebenssituation und inhaltliche Präferenzen eine Rolle. Allerdings erkenne ich auch strukturelle Probleme, die mich und ebenso viele meiner Kolleginnen von einer wissenschaftlichen Laufbahn abhalten.

Zunächst fehlen weibliche Vorbilder. An der juristischen Fakultät der Universität Göttingen sind nur 5 von 23 Professor/innen weiblich. Ein gleiches Bild zeichnet sich an nahezu allen rechtswissenschaftlichen Fakultäten in Deutschland. Zudem erlebe ich den Bereich der Rechtswissenschaft oftmals als konservativ und traditionell. Feste, hierarchische Strukturen erschweren es vor allem (jungen) Frauen, sich gegenüber Vorurteilen und häufig männlich geprägten Denkweisen zu behaupten. Letztlich fordert eine wissenschaftliche Laufbahn große Flexibilität. Wer eine Professur anstrebt, muss allseitig verfügbar und darf nicht ortsgebunden sein. Dies trifft männliche Kollegen gleichwohl, dennoch fällt es einer jungen Mutter vermutlich schwerer uneingeschränkt einsatzbereit zu sein.

Frauen in der Wissenschaft
Quelle: Pixabay

Um diesen strukturellen Schwierigkeiten zu begegnen, werden an vielen Fakultäten Mentoring-Programme für junge Wissenschaftlerinnen ins Leben gerufen. An der Juristischen Fakultät existiert beispielsweise das „Elisabeth-Selbert (EliSe)-Mentoring für besonders qualifizierte Nachwuchswissenschaftlerinnen“. Das Mentoring-Programm soll Doktorandinnen und Habilitandinnen durch Seminare und Vorträge miteinander vernetzen sowie gezielt den Austausch untereinander und mit erfahrenen Wissenschaftlerinnen fördern.

Frauen müssen in der Wissenschaft eine Selbstverständlichkeit werden

Das Mentoring-Programm ist ein wichtiger Vorstoß. Das Ziel darf aber nicht sein, zu lernen sich wie die männlichen Kollegen zu verhalten. Wichtig ist, Vorbilder zu finden, sich auszutauschen und gemeinsam daran zu arbeiten, dass Frauen in der Wissenschaft eine Selbstverständlichkeit werden. Eine Selbstverständlichkeit, wie sie für mich heute das Wahlrecht ist. Ich bin überzeugt, dass sich langfristig auch die Strukturen innerhalb des wissenschaftlichen Betriebs ändern werden und dass nach 100 Jahren Frauenwahlrecht auch an den Universitäten volle Gleichberechtigung erreicht werden kann.

Foto: Alexander Sparenberg


Über die Autorin

Katharina Knoche (1991 geboren) beendete ihr Studium der Rechtswissenschaft im Jahr 2016 an der Universität Göttingen. Seitdem ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin und Doktorandin an der Juristischen Fakultät in Göttingen.

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