#69 – Susanne Hüfken: Frauen bestimmen mit – es geht um Selbstbestimmung und um Gleichberechtigung

BHs an der Leine

Ein bisschen mehr als 100 Jahre ist es her, dass der BH in seiner heutigen Form erfunden und patentiert wurde. Ähnliche Kleidungsstücke gab es schon im Mittelalter, auch schon in der Antike – offensichtlich gab es immer schon Frauen, die ihre Brüste entweder flachgebunden haben, damit sie nicht stören, oder hochgebunden haben, damit sie stören.

Vor gut 100 Jahren war der BH für viele Frauen wie eine Befreiung, weil er sie vom Korsett erlöst hat – und damit von Atemnot, Ohnmachtsanfällen, Verdauungsproblemen, sogar von Fehlgeburten. Vor 50 Jahren wurden BHs verbrannt oder zusammen mit HighHeels in Mülltonnen entsorgt – als Protest gegen Unterdrückung. Denn immerhin, auch wenn ein BH kein Korsett ist – bequem ist er nicht: die Verschlüsse drücken unangenehm in den Rücken, wenn sich eine anlehnt, sie engen ein, kratzen, „ich brauch die einfach nicht“. Dieser Protest schlief dann wieder ein.

Der BH – eine gesellschaftliche Konvention oder mehr?

Jetzt gibt es unendlich viele Variationen der BHs. Und immer noch haben Frauen BH zu tragen – eine gesellschaftliche Konvention. Schon Kinder bekommen sie zu tragen. Es ist so selbstverständlich. Manchmal gibt es jetzt Studien, die besagen, dass BHs schlecht seien für die Brüste und die Muskeln. In den letzten Jahren vermehren sich Filmchen auf Youtube, in denen junge Frauen Freiheit vom BH beschreiben – propagieren.

Die Begründungen für das BH-Tragen sind manchmal medizinische, Rückenschmerzenprävention. Oft haben die Begründungen mit Schutz zu tun: „Mir ist es peinlich, wenn meine Brustknospen zu sehen sind“, „Ich will nicht, dass die Menschen, mit denen ich zu tun habe, abgelenkt sind“, „Ich fühle mich schutzlos, nackt ohne BH“.

Selbstbestimmung?

Und wie verhält sich das mit den Kopftüchern und Verschleierungen in den verschiedenen Religionen? Wie selbstbestimmt sind Frauen in der Entscheidung, ein Kopftuch zu tragen oder nicht?
Wie ist das mit anderen Konventionen – die Kleidung betreffen: Krawatten, Schuhe, lange Röcke, kurze Hosen…
Wie ist das mit der Selbstbestimmung?
Wie ist das mit der Gleichberechtigung, nachdem Frauen seit 100 Jahren wählen dürfen?


Über die Autorin

Susanne Hüfken wurde 1967 geboren und ist Pfarrerin in der Nähe von Kassel. Feministische Themen oder Sichtweisen auf die Welt begleiten sie seit ihrer Schulzeit. Seit 20 Jahren lebt Susanne Hüfken in einer Gemeinschaft mit 60 anderen Erwachsenen und 20 Kindern, in der sie nach dem Bedürfnisprinzip leben: Alle geben, was sie können, und nehmen, was sie brauchen. Die Gemeinschaft versucht, ökologisch und geschlechtergerecht zu leben und alle wesentlichen Entscheidungen gemeinsam zu treffen.

(Foto: Pixabay)

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