Chronik

 Salongespräche am 26. Juni 2018 im Renthof in Kassel

Am 12. November 1918, somit vor fast 100 Jahren, verkündete der Rat der Volksbeauftragten, dass

„alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften (…) fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen sind.“ (Vgl. auch Artikel 109 WRV)

Diese Regelung fand auch wenige Wochen später im neuen Wahlgesetz Anwendung. Dort wurde folgendes formuliert:

„Wahlberechtigt sind alle deutschen Männer und Frauen, die am Wahltag das 20. Lebensjahr vollendet haben.“

Mit dieser Regelung war eine große Wahlrechtsreform auf den Weg gebracht. Das von und für Frauen über fast ein Jahrhundertlang erkämpfte Wahlrecht ist eine Grundlage für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Ausgangspunkt für den erkämpften Erfolg war im Jahre 1918 das individuelle Engagement und das verdichtende Netzwerken von gemeinsamen Interessen von Frauen. Dieses erkämpfte Recht ist als eine wichtige Etappe auf dem langen Weg der Demokratisierung zu verstehen.

Spannend ist auch das diesjährige Jubiläum der Evangelischen Frauenarbeit, die sich ebenfalls vor 100 Jahren gegründet hatte, jedoch als Impuls um das Frauenwahlrecht zu verhindern. Der Evangelischen Frauenarbeit ging es weniger darum, dass Frauen nicht wählen dürfen als vielmehr darum was sie wählen und dass sie nicht das falsche wählen. Zum Glück hatten die evangelischen Frauen der damaligen Zeit weniger Erfolg bei ihren Forderungen.

Am Abend wendeten wir unseren Blick in die Vergangenheit, beschäftigten uns aber auch damit, was Frauen der unterschiedlichen Generationen in unserer jetzigen Zeit mit diesem erkämpften Erfolg verbinden, wie wir mit den derzeitigen antifeministischen Frauen- und Familienbildern umgehen, was wir der Politikverdrossenheit von Frauen entgegenhalten können und wie wir auf persönlichen und digitalen Wegen in Zukunft, d.h. weiter für die (noch nicht vollständig erreichen) Gleichberechtigung und Chancengleichheit und gerechte Teilhabe „netzwerken“ können.

Folgende Frauen haben sich am Abend in den Salongesprächen eingehend mit dem Thema auseinandergesetzt:

REFERENTINNEN

  • Dr. Kerstin Wolff (Historikerin, Archiv der deutschen Frauenbewegung)
  • Dr. Antje Buche (Sozialwissenschaftlerin, Studienzentrum für Genderfragen in der EKD)
  • Dr. Helga Lukoschat (Vorstandsvorsitzende der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft Berlin [EAF], Soroptimist International)
  • Angela Dorn (Bündnis 90/Die Grünen, Sprecherin für Umwelt, Energie und Klimaschutz)

MODERATORIN

  • Margarita Tsomou (Missy Magazine, Journalistin und Moderatorin, aktive Feministin)

Die unterschiedlichen Frauen haben aus Ihrer jeweiligen Perspektive auf das Thema Frauenwahlrecht geblickt und in kurzen Impulsreferaten darüber referiert. Abschließend hat Margarita Tsomou die Referentinnen miteinander in den Austausch gebracht und auch die 68 Besucherinnen des Abends mit in die Gespräche eingebunden.

Ergebnisse des Abends :

Frauen können durch den geschaffenen gesetzlichen Raumen der Demokratie prinzipiell all das erreichen, was Männer auch erreichen können, jedoch müssen dafür weitere Bedingungen geschaffen werden, die eine Selbstverständlichkeit für Menschen in einer gelebten Demokratie sein sollten:

  • Verschärfung des Sexualstrafrechts (Unversehrtheit des Körpers)
  • Körperliche Selbstbestimmung, auch im Hinblick auf „ 219a StGB
  • Frauenquote (Gesetz für Frauen in Führungspositionen mit Weiterbildungen, die „Führen leichter machen“ können)
  • Equal Pay-Gender Gap (Lohndifferenz: Schließung der Differenz zwischen dem durchschnittlichen Brutto-Stundenlohn von Frauen und Männern)
  • Entfernung der „gläsernen Decke“
  • Angleichung der Erwerbsquote
  • Bessere Bezahlung von Frauen (und Männern) in Frauenberufen.
  • Gender Health Gap (Entfernung der Unterschiede bei der gesundheitlichen Versorgung zwischen Frauen und Männern)
  • Förderung von Frauen als Künstlerinnen (Frauen sind in Museen, wichtigen Galerien und Kunstzeitschriften auch heute noch deutlich unterrepräsentiert und werden dadurch auch in geringerem Maße wahrgenommen und rezipiert.)
  • Vereinbarkeit von Familie und beruflicher Karriere muss gefördert und selbstverständlich gelebt werden und dafür die erforderlichen Bedingungen (Qualifizierung in Vereinbarkeit) geschaffen werden
  • Stärkung von Frauen in MINT-Berufen
  • Angleichung der Status von Frauen in Kultur, Sozialökonomie, Politik, Medien, Kultur, Medizin und Wissenschaft

Da wir noch nicht von eine selbstverständlich gelebten Chancengleichheit ausgehen können, sind die Kämpfe um die gerechte Teilhabe noch nicht vorbei.

Die Politik lebt von der Aushandlung von unterschiedlichen Bedürfnissen! Lassen Sie uns in die Aushandlung gehen, denn wir sind noch nicht am Ende mit dem Thema Frauen.Wahl.Recht

Insbesondere und leider bei den derzeitigen Gegenströmungen, welche auch ein Zeichen dafür sind, dass sich in unserer Gesellschaft etwas ändert. Aber Feminismus muss gegen Rechtspopulismus wirken, damit der der Angriff verteidigt wird und unser Erkämpftes nicht ins Wanken gerät.

Zur aktiven Umsetzung weiterer Etappen müssen mehr Frauen in Entscheidungspositionen in gesetzlicher Grundlage eingesetzt werden. Diese müssen sich weitere Bündnispartnerinnen suchen, damit die Forderungen von Frauen weitergetragen und abgesichert werden und sich kluge Pässe zugespielt werden.

Wichtig ist ebenfalls, dass wir Frauen in unserer Zivilgesellschaft netzwerken müssen, um uns gegenseitig zu unterstützen und um gemeinsam unsere Interessen zu vertreten.

Insbesondere müssen auch Frauen gefördert werden, die Probleme haben von Ihrer Teilhabe Gebrauch zu machen, wie z.B. Alleinerziehende, Frauen die von Altersarmut betroffen sind.

Ein Tool für die unterschiedlichen Geschlechter können Gendertrainings sein, die uns Menschen sensibilisieren können und über Stereotype nachdenken können.

Es braucht noch einen langen Atem und eine Solidarisierung unter den unterschiedlichen Frauen unserer Gesellschaft und eine persönliche und digitale Vernetzung, damit unsere Forderungen weitergetragen und abgesichert werden.

 

Frauen als Netzwerkerinnen – Eine Fortbildung in 3 Einheiten

28.08.2018: POLITISCHE BILDUNG UND GESELLSCHAFTLICHER KONTEXT
12.09.2018: MEDIENKOMPETENZ UND DATENSCHUTZ
26.09.2018: NETZWERKARBEIT DIGITAL & ANALOG

Die Fortbildung hat Frauen dazu befähigt und ermuntert eigene Inhalte für Netzwerke zu generieren und sich mit anderen Frauen analog und digital auszutauschen. Für das „netzwerken“ erhielten die Frauen in den drei Fortbildungseinheiten das notwendige Handwerkzeug, wie z.B. politischer und gesellschaftlicher Hintergrund; Nutzung von Apps und Blogs; Datenschutz und Datensicherheit; Netze DIGITAL: Umgang mit Facebook, Twitter, Instagram; Netze ANALOG: Frauennetzwerke in Nordhessen u.a.

 

Frauenkino

SUFFRAGETTEN

SUFFRAGETTEN Kinoplakat

„Taten, nicht Worte, werden uns das Wahlrecht bringen“

Am Montag, den 13. August 2018 wurde der Film „Suffragetten“ im Kino in Wolfhagen gezeigt. 61 Frauen haben sich auf den Weg in das Kino begeben, welches sich in einem 260 Jahre alten Haus befindet.

Als Suffragetten (engl. suffrage: Wahlrecht) wurden Anfang des 20. Jahrhunderts mehr oder weniger organisierte Frauenrechtlerinnen bezeichnet, die u.a. in Großbritannien -nach 50 Jahren (!) friedlicher Bitten- vor allem mit passivem Widerstand, Störungen offizieller Veranstaltungen bis hin zu Hungerstreiks für das Frauenwahlrecht eintraten. Die Suffragettenbewegung wurde überwiegend von Frauen aus dem Bürgertum getragen und war eine bottum-up Bewegung. Im Jahre 1928 erhielten Frauen dann endlich in Großbritannien, demnach 10 Jahre später als in Deutschland, das aktive und passive Wahlrecht.

Im Jahr 1903 gründete Emmeline Pankhurst in Großbritannien die Women’s Social and Political Union, eine bürgerliche Frauenbewegung, die in den folgenden Jahren durch öffentliche Proteste, politische Demonstrationen und Hungerstreiks auf sich aufmerksam machte und neben dem Wahlrecht für Frauen auch für deren Gleichstellung eintrat. Gesetze waren insbesondere zu dieser Zeit von Männern für Männer und deren Bedürfnisse gemacht (mehr Lohn für gleiche Arbeit, Bestimmung über die Frau, Kinder haben laut Gesetz ihrem Vater gehört und somit haben die Mütter keine rechte über ihre Kinder). Die Kämpfe der Frauen wurden „im Untergrund“ organisiert. Die Suffragetten haben in diese Kämpfen mit viel Mut und Einsatz begangen, weil der Staat immer brutaler auf die Forderungen der Frauen reagierte und diese Kämpfe boykottierte. Neben den kämpferischen Frauen standen selten Männer, die ihre Frauen unterstützt haben.

Das vorbildliche Engagement der Frauen soll und kann auch heute Ermutigung sein, sich für weitere Rechte und Maßnahmen auf dem Weg zur Gleichberechtigung von Menschen weltweit einzusetzen!

Unter dem folgenden Link finden Sie den Trailer zum Film: Suffragetten

 

EMBRACE-Du bist schön

Ein Film über Bodyshaming

Am Donnerstag, den 16.08.2018 wurde ab 19:30 Uhr der Film Embrace im Mädchenzentrum Malala gezeigt. Anwesend waren junge Frauen im Alter von 24 bis 32 Jahren. Der Film „Embrace-Du bist schön“, eine australische Dokumentation, setzt sich mit Körpernormen und Schönheitsidealen auseinander. Diese werden bestimmt durch Medien, Werbung, Politik und unsere Gesellschaft, somit auch durch uns selbst. Wir entwickeln Körperbilder und bewerten und verurteilen Menschen, die unserer Meinung nach nicht in diese „Normen und Ideale“ passen. Es folgen Diskriminierungen und Abwertungen. Besonders für junge Mädchen ist es schwierig ein eigenes Wohlfühlen im Körper zu erspüren (Körperwahrnehmung), wenn sie durch Instagram oder Castingshows für Topmodels die „erstrebenswerten und richtigen Normen“ vermittelt bekommen. Die Inhalte dieser Formate befördern eine Bewertungsmaschinerie und erschweren den positiven Umgang mit dem eigenen Körper und mit dem eigenen Selbstwertgefühl, da wir somit auf unseren Körper/unser Aussehen reduziert werden. Durch eine negative Bewertung des eigenen Körpers durch sich selbst und/oder andere können physische und psychische Störungen entstehen und sich manifestieren, weil bei vielen Menschen -insbesondere jungen Mädchen- das Gefühl entstehen kann einem irrealen Schönheitsbild nachzueifern. Umso wichtiger ist es zu verstehen, dass alle Körper und Menschen liebenswert sind und alle Menschen Respekt verdienen und sich in ihrer eigenen Haut, die sie und ihren Schutzraum umhüllt, wohlfühlen.

Unter dem folgenden Link finden Sie den Trailer zu dem Film sowie weitere Materialien (Unterricht): Embrace

 

DIE GÖTTLICHE ORDNUNG

Am Montag, den 27.08.2018 wurde der Film „Die göttliche Ordnung“ in Baunatal im Cineplex gezeigt. In dem Film wird gezeigt wie eine Frau sich gegen die sie sich umgebende „patriarchale Ordnung“ auflehnt, welche sich in der Schweiz bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erhalten hat.

Der Film spielt 1971, als sich die Schweizer Frauen endlich das Wahlrecht erkämpft hatten. In der Schweiz galt noch bis zum Jahre 1988 das Gesetz, dass Frauen ohne die Einwilligung ihres Mannes keinen Arbeitsvertrag unterschreiben dürfen (Deutschland 1977).

Nora, die Hauptdarstellerin des Filmes, beginnt sich nach der Erweiterung ihres Horizontes zu sehnen und möchte halbtags arbeiten gehen. Daraus ergeben sich Konflikte mit ihrem Mann, weil sie die Fesseln der „göttlichen Ordnung“ abstreifen möchte. Diese Konflikte führen dazu, dass Nora beginnt sich mit feministischen Schriften, dem Schweizer Eherecht und Broschüren zum Kampf um das Wahlrecht in der Schweiz auseinanderzusetzen. Nora nimmt mit anderen Frauen an der Demonstration „Frauenrecht ist Menschenrecht“ in Zürich teil und lernt in einem Workshop, dass auch das Private politisch ist und der Kampf für die weibliche Freiheit auch die Entdeckung ihres Körpers und ihrer Lust beinhaltet.

Der Film stellt eine Bewegung gegen das Patriarchat dar, welches sowohl von Männern als auch von Frauen (wie im Film die Leiterin des „Aktionskomitee gegen die Verpolitisierung der Frau“) verkörpert werden kann.

Wichtig ist, dass Männer und auch Frauen in patriarchale Strukturen hineingeboren werden und hineinwachsen. Männer profitieren jedoch viel mehr von diesen Strukturen und es fällt ihnen zufolge schwerer diese in Frage zu stellen und sich von diesen zu lösen.

Die Frauen der Vergangenheit, ob in der Schweiz, in Deutschland oder in vielen anderen Ländern dieser Welt haben sich und uns Freiheit und Teilhabe erkämpft auch mit dem Hintergrund, dass wir diesen „Kampf“ gegen patriarchale Strukturen fortzusetzen sollen. Dies geht durch ein gemeinschaftliches Netzwerken, mit Lust, Humor, Hartnäckigkeit und Optimismus.

Unter dem folgenden Link finden Sie den Trailer zum Film sowie weitere Materialien: Die göttliche Ordnung

 

STERNSTUNDE IHRES LEBENS

Am Montag, den 24. September wurde der Film „Sternstunde ihres Lebens“ 46 Frauen im Alter von 18 bis 79 Jahren gezeigt. Der Film zeigt wie die Kassler Abgeordnete und Juristin Elisabeth Selbert unermüdlich für die Aufnahme des Satzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in das Grundgesetz der (zukünftigen) Bundesrepublik Deutschland kämpft. Sie hat viele Widerstände seitens Männer und Frauen hinnehmen müssen, die den Satz „Alle Deutschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen haben grundsätzlich dieselben staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.“, beibehalten wollten (Das Strafgesetzbuch wurde hiermit angesprochen, nicht jedoch das Privatrecht u.a.). Erst durch Netzwerkarbeit in Form von einer landesweiten Kampagne für die Gleichberechtigung mit anderen Frauen konnten ihre Forderungen erfolgreich Männer und Frauen dazu umstimmen, den Gleichberechtigungssatz in das Grundgesetz aufzunehmen. Seit dem 18. Januar 1949 lautet Artikel 3 Absatz 2 des Grundgesetzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Mit diesem Satz wurde der Grundstein für eine politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung zum Thema Gleichberechtigung gelegt. Mit dem Gesetz

Informationen zu den Müttern des Grundgesetzes

Friedrichs, Hauke: 60 Jahre GG. Die Mutter der Gleichberechtigung

 

Lesungen

KERSTIN WOLFF: UNSERE STIMME ZÄHLT! DIE GESCHICHTE DES DEUTSCHEN FRAUENWAHLRECHTS.

Am Donnerstag, den 20.09.2018 hat die Historikerin Kerstin Wolff ab 18 Uhr aus ihrem Buch „Unsere Stimme zählt“ Die Geschichte des deutschen Frauenwahlrechts.“ gelesen: Am 12. November 1918 erklärte der Rat der Volksbeauftragten, dass fortan „alle Wahlen (…) nach dem gleichen, geheimen, direkten Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen“ sind. Damit hatte dieses Männergremium mit einem Federstreich das Frauenwahlrecht in Deutschland eingeführt. Kann aus dieser kurzen Episode geschlossen werden, dass den deutschen Frauen das Frauenstimmrecht quasi in den Schoss gefallen ist? War es der Revolution und vor allem dem Rat der Volksbeauftragten zu verdanken, dass dieses politische Mitbestimmungsrecht eingeführt wurde? Haben die deutschen Frauen nicht auch für ihr Wahlrecht gekämpft? In ihrer Lesung rollte die Historikern Kerstin Wolff den langen Kampf der deutschen Frauen um ihr Wahlrecht auf. Sie begann mit den ersten Frauenstimmen in der Französischen Revolution und schilderte das jahrhundertelange Ringen der deutschen Frauenwahlrechtlerinnen um ihr politisches Mitspracherecht. Mit ihrer kurzen Geschichte des Frauenwahlrechtskampfes in Deutschland zeigte sie, dass nicht nur die Engländerinnen auf die Straße gingen und für das Wahlrecht kämpften. Auch die deutschen Frauen (Louise Otto-Peters, Hedwig Dohm, Helene Lange, Clara Zetkin u.v.a.) engagierten sich in der Wahlrechtsfrage und erreichten es schließlich, dass nach dem Ersten Weltkrieg an der Einführung der Demokratie kein Weg mehr vorbei führte. Schlussendlich konnten Frauen zum ersten Mal in den Geschichte Deutschlands am 19.02.1919 aktiv Wählen gehen. Die SPD-Abgeordnete Marie Juchacz spricht als erste Frau während der Weimarer Nationalversammlung am 19. Februar 1919 vor einem deutschen Parlament: „Ich möchte hier feststellen ( … ): Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist. ( … ) Und ich betrachte es als eine Selbstverständlichkeit, dass ( … ) die Frau als gleichberechtigte und freie Staatsbürgerin neben dem Manne stehen wird.“

FRAUENWAHLRECHT IM SPIEGEL DES FAMILIENALLTAGES

Am Freitag, den 26.102018 wurde in der Evangelischen Familienbildungsstätte Kassel ein geschichtlicher Einblick in den Kampf um das 100-jährige Frauenwahlrecht gegeben. Über den Kampf um das 100-jährige Frauenwahlrecht wurde u.a. auch auf das Jahr 1949 geblickt, in dem endlich auch (Dank des Kampfes von Frau Elisabeth Selbert und anderen Frauen) der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in Art. 3 Abs. 2 des Grundgesetzes aufgenommen wurde. Das Frauenwahlrecht sowie die gesetzliche Gleichberechtigung der Geschlechter impliziert jedoch noch keine tatsächliche Gleichberechtigung und noch keine Chancengleichheit. Dies macht sich insbesondere im gesellschaftlichen Leben (z.B. Arbeitsleben) sowie im Privaten (Familienalltag mit Kindern und/oder pflegebedürftigen Menschen) bemerkbar. In diesem Zusammenhang stellte sich in Bezug auf das Private einerseits die Frage, welche Meilensteine noch angestoßen werden müssen, damit sich Frauen bedürfnisgerecht gleichgestellt fühlen und dies in ihrer Familie mit allen Familienmitgliedern gemeinschaftlich leben und Missverhältnisse einfordern können. Andererseits stellte sich auch die Frage, inwieweit die Vision von Frauen frei wählen zu können, in welchem Umfang sie sich den Familienaufgaben stellen wollen, die ihnen bei den Angehörigen von 0-99 Jahren begegnen, zu einer Selbstverständlichkeit werden kann und was sich dafür in Familie, Gesellschaft und Politik ändern müsste. Wichtig ist im Kontext der gerechten Aufteilung der Aufgaben im Familienleben auch, dass Frauen nicht nach dem „Maternal Gatekeeping“ in Bezug auf das gemeinsame Kind handeln. Genannte Forderungen müssen (auch) im gesellschaftspolitischen Bereich (endlich) ankommen und selbstverständlich unter uns Menschen gelebt werden und immer wieder neu ausgehandelt werden.

 

Exkursionen

HISTORISCHES MUSEUM FRANKFURT: SONDERAUSSTELLUNG DAMENWAHL

Am 23.10.2018 ist eine kleine Gruppe von Frauen nach Frankfurt gefahren, um sich im Historischen Museum in Frankfurt die Sonderausstellung Damenwahl anzusehen.

Mit der Jahreswende 1918/19 fand ein enormer Einschnitt in die deutsche Geschichte statt. Nicht nur wurde hier die parlamentarische Demokratie, sondern auch das Frauenwahlrecht am 12.11.2018, eingeführt. Der Blick der Sonderausstellung „Damenwahl! 100 Jahre Frauenwahlrecht“ im Historischen Museum Frankfurt richtet sich deshalb in besonderer Weise auf die Perspektive der Frauen in dieser Zeit sowie auf die nationalen und internationalen Zentren der Frauenbewegung. Auch aktuelle Bezüge und Debatten stehen im Fokus:

Die Ausstellung gibt einen Einblick in das Leben von Frauen vor dem Frauenstimmrecht (Sie durften irgendwann sogar Rad fahren und empfanden dies als Freiheit und als Moment der eigenen gelebten Autonomie. Die Kleidung hatte sich sogar durch ihre Emanzipation verändert von einer engen Corsage hin zu einem weiten Kleid.) und was einige Männer über sie dachten, z.B. in Schriften von dem Neurologen und Psychiater Paul Julius Möbius „Über den physiologischen Schwachsinn des Weibes“, der sich gegen die Emanzipation der Frauen wehrte, in dem er behauptete, Frauen hätten von Natur aus eine geringere geistige Begabung als Männer. Auch der Philosoph und Sexualpsychologe Otto Weininger sprach Frauen die politische Teilhabe ab, da die Politik durch die Teilhabe von Frauen zu emotional würde.

Die Ausstellung begleitet die Vorkämpferinnen des Frauenwahlrechts vom Kaiserreich bis zur Revolution 1918/19. Sie verfolgt die Geschichte der ersten Frauenbewegung in ihrem Einsatz für Gleichberechtigung und würdigt die ersten Politikerinnen der Weimarer Republik.

Ausgestellt sind im Museum viele unterschiedliche Zeitschriften (Publizistik), die von Frauen herausgegeben worden sind, um ihre Emanzipation und Chancengleichheit sowie das Frauenwahrecht einzufordern. Des Weiteren schlossen sich um die Jahrhundertwende immer mehr Frauen in Vereinen zusammen, um für sich in einem Netzwerk ihre Rechte zu erkämpfen und die Meinungsmache weiter voranzutreiben.

Auch wendet sich der Blick nach England und die Bewegung der Suffragetten „Votes for women“.

In Deutschland zurückgekommen wendet sich der Blick auf die Forderungen der Frauen zur damaligen Zeit, die folgende waren:

Recht auf Bildung – Gerechte Arbeitswelt (Landfrauenbewegung) – Körperliche Selbstbestimmung – Politische Teilhabe

Die Ausstellung zeigt auch unterschiedliche Aktivistinnen der Frauenbewegung, wie z.B. Bertha Pappenheim, Helene Lange, Anita Augspurg, Luise Otto Peters, Clara Zetkin, Emmeline Pankhurst, Marie Stritt.

Des Weiteren wird in der Ausstellung Bezug genommen auf das erkämpfte Frauenwahlrecht am 12.11.2018, welches endlich nach einem Kampf über fast ein Jahrhundertlang Frauen zugesprochen wurde. Schlussendlich fand die erste gemeinsame Wahl von Frauen und Männern am 19.01.2019 statt. Zu sehen sind im Museum eine alte Wahlurne, Aufrufe zur Wahl (Wahlmobilisierung) durch Plakate u.v.m.

Wir erhielten auch einen Einblick in das Leben und die Rechte der Frauen in der NS-Zeit und die Zerstörung der Frauenbewegung im NS sowie der Neubeginn der Frauenbewegung in der BRD und DDR.

Auch Elisabeth Selbert, die für die Aufnahme des Artikels 3 im GG „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ gekämpft hat, wird gewürdigt. Zu hören ist ihre Ansprache, zu sehen ist ihre Robe und das zugehörige Barrett uvm.

Einen Ausblick in die Gegenwart bildet eine Wand mit Gedanken und Forderungen der heutigen Zeit zum Thema Frauen und Gleichberechtigung und verdeutlicht die Aktualität des Themas unter den Stichworten:

Gender Pay Gap – Altenpflege – Sexualisiertes Marketing – Gender Mainstreaming – Sexarbeit – #METOO – Quote – § 219A – Gendergerechte Sprache – § 218 – Kindererziehung – Care-Work – Pornographie – LGBTIQ* – Lohngleichheit.


Weitere Informationen und Flyer

Frauen netzwerken – der Flyer zur Kampagne

100 Jahre Frauenwahlrecht

Salongespräche – Frauen auf dem Weg zur gelebten Demokratie