#67 – Brigitte Scherb: An der Zeit, Frauen auf dem Weg durch die politischen Institutionen zu stärken

Brigitte Scherb

„Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts.“ Dieses Zitat von Simone de Beauvoir gilt in vielen Bereichen leider auch heute noch. Somit gibt es viel zu tun, wenn es um Gleichberechtigung und politische Teilhabe von Frauen und Männern geht. Die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass starke Frauen gemeinsam viel bewegen können.

100 Jahre Frauenwahlrecht – ein wichtiger Schritt, um Frauen aktiv und passiv an einer Wahl teilnehmen sowie am politischen Leben gleichberechtigt partizipieren zu lassen. Ein Blick in unsere Parlamente zeigt, dass wir von einer paritätischen Besetzung noch sehr weit entfernt sind – sei es auf Bundes-, Landes- oder Kommunaler Ebene. Frauen sind bis heute in keinem Parlament in Deutschland gleichberechtigt vertreten. Ein Zustand, den wir so nicht länger hinnehmen dürfen. Es ist an der Zeit, Frauen auf dem Weg durch die politischen Institutionen zu stärken. Dafür müssen wir Frauen weiterhin unsere Stimmen erheben und uns vehement für eine geschlechterparitätische Besetzung auf allen politischen Ebenen stark machen.

Gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in unserer Gesellschaft

Seit Jahren setzt sich der Deutsche LandFrauenverband e.V. (dlv) für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in unserer Gesellschaft ein. Bereits im Jahr 2009 hat der dlv deutlich gemacht, dass Gremienarbeit im ländlichen Raum nur durch das Know-how von Frauen effizient gestaltet werden kann. Die Erfahrungen von LandFrauen zeigen immer wieder, dass vielen Frauen der Weg in die Gremien durch hohe Einstiegshürden und erstarrte Strukturen verwehrt bleibt. Ziel der LandFrauen ist es, egal ob Kommunalpolitik, ländliche Gremien, Aufsichtsräte oder die Mitbestimmungsgremien in der Selbstverwaltung der Sozialversicherung, genau diese verkrusteten Strukturen aufzubrechen.

Deutscher Landfrauenverband

Mit der bundesweiten Kampagne „Frauen!Wählen!“ hat sich der dlv vehement für die Einführung einer Quote bei der Besetzung der Selbstverwaltungsorgane anlässlich der Sozialwahl in den Jahren 2013 und 2017 eingesetzt. Immer wieder haben wir die Bundesregierung aufgefordert, ihr Koalitionsversprechen umzusetzen und so das Verhältnis von Frauen und Männern in den Selbstverwaltungsorganen anzugleichen. Auch wenn es aktuell noch zu keiner konkreten Gesetzesänderung gekommen ist, haben wir es durch unsere Appelle geschafft, dass Frauen vor allem die Wahllisten wählen, auf denen Frauen vordere Listenplätze inne haben.

Dieses Beispiel zeigt, dass wir uns – Verbände übergreifend und parteipolitisch unabhängig – weiterhin für eine Gleichberechtigung stark machen müssen. Es reicht nicht aus, nur wählen zu dürfen. Frauen müssen endlich die Chance erhalten, die gläserne Decke zu durchbrechen, um paritätisch am politischen Leben teilzunehmen. Eine gerechte Aufteilung von Verantwortung, Einflussnahme und Macht ist längst überfällig.

Bildquelle Coverbild/Copyright: R. Bröcker


Brigitte Scherb
Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes e.V.

 

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