#61 – Anni Hausladen: Strategien zur Partizipation

Anni-Hausladen

Das muss man einfach feststellen: Es hat sich viel bewegt in den letzten Jahren in der Frauenbewegung. Carmen Thomas hat in ihrem Beitrag IST – WAR – KANN – „GEMEINSAM BESSER“ – MIT NETZWERKEN MEHR BEWIRKEN“ einige Punkte aufgelistet, die das eindrucksvoll beleuchten, zum Beispiel: „1962 selbst ein Bankkonto eröffnen und ab 1969 voll geschäftsfähig werden“.

Frauenzeitschrift KommaAuch ich wurde durch die Frauenbewegung wach und demonstrierte zum ersten Mal für Frauenrechte auf der Straße. 1981 gründete ich mit anderen Frauen die Frauenzeitschrift Kom’ma in Düsseldorf. Als ich eine Anzeige für unsere Kom’ma bei der Rheinischen Post aufgeben wollte, wurde ich von den Frauen der Anzeigenstelle misstrauisch beäugt. Sie tuschelten miteinander, dann traute sich eine mir zu erklären: „Wir dürfen keine Anzeigen von Prostituierten annehmen“. Ich war fassungslos. Unsere feministische Zeitschrift wurde als Informationsblatt von oder für Prostitution angesehen. Ich zeigte ihnen unsere Zeitschrift und las ihnen die einzelnen Überschriften vor. Nur widerwillig nahmen sie meine Anzeige auf.

Mir wurde immer klarer: Die Frauenbewegung ist mein Thema! Ich setze mich in vielen Bereichen ein und entwickelte Seminare zu Frauenthemen, wie „Macht- und Ohnmachtsverhalten“ oder “Eine Streitkultur entwickeln – Streiten lernen“. Vorträge und Workshops hielt ich zuerst im Frauenbuchladen, im Frauenferienhaus in Zülpich, dann in der VHS und in anderen Fortbildungsstätten.

Der Seglerinnen-Verein: eine Männer-Domäne wird erobert

1983 gründeten wir, eine kleine Gruppe von Seglerinnen, einen Verein und nannten ihn Feministischer Seglerinnen-Verein. Wir brachten uns gegenseitig das Segeln bei, weil keine von uns Lust hatte, den Männern beim Segeln nur zuzuschauen. Ich bot einen Segelkurs mit Abschluss für den Binnenschein A an.

Wenn wir in Häfen einfuhren, kamen sofort Männer zu uns und fragten erstaunt, wo wir unsere Männer versteckt hätten. Dass Frauen ohne Männer ein Boot steuern können, ging nicht in ihre Köpfe – und hat sich noch lange gehalten. Heute nehmen Frauen an Regatten teil oder richten selbst Regatten aus.

Die SeglerinnenWir starteten die erste Frauenregatta am Unterbacher See in Düsseldorf. Zu dieser Zeit waren Wettkämpfe unter Frauen verpönt. So suchten wir nach fröhlicheren Wettkampfformen, zum Beispiel mit der Jagd nach farbigen Luftballons: Siegerinnen waren, die innerhalb der vorgegebenen Zeit die meisten Ballons den anderen abgejagt hatten.

Heute ist der Verein „Die Seglerinnen“ (das feministische ist gestrichen worden) gewachsen. Viele Frauen besitzen ein eigenes Boot. Einige haben sogar ihren Job gekündigt und fahren beruflich als Skipperinnen auf den Meeren. Eine wunderbare partizipierte Entwicklung! Vor 35 Jahren hätte ich dafür noch nicht den Mut gehabt.

Ich finde mein Thema: Netzwerken für Frauen

Nach meinem Studium zur Diplom-Betriebswirtin machte ich mich selbständig. Ich begann mit meinem Thema, dem Netzwerken, zu arbeiten. Da ich inzwischen nach Köln gezogen war, nannte ich mein erstes Buch: „Die Kunst des Klüngelns – Erfolgsstrategien für Frauen“.

Als ich 2000 mit diesem Thema begann Vorträge zu halten und Workshops anzubieten, wurde ich häufig von Frauen mit Zwischenrufen wie diesem attackiert: „Wir wollen kein Vitamin B, wir machen das alles aus eigener Kraft!“ Diese Frauen wollten sich nicht vernetzen und gegenseitig fördern.
Heute hat sich diese Einstellung sehr verändert. Allmählich ist durchgedrungen, dass die eigene Kraft alleine oft nicht ausreicht. Heute fragen Frauen mich: „Wie geht das denn mit dem Klüngeln oder Netzwerken genau?“.

Meine Vorträge und Workshops wie „Stell dein Licht auf den Scheffel“ und mein Blog https://frauen-kluengeln.de/blog/ zum Thema „Netzwerken für Frauen“ ist topaktuell.

Anni Hausladen, Klüngeln & Co


Buchtipp

Die Kunst des KlüngelnsDie Kunst des Klüngelns
Erfolgsstrategien für Frauen

von Anni Hausladen
und  Zeichnungen von Gerda Laufenberg

aktualisierte Auflage
Verlag: Klüngeln & Co
Taschenbuch 262 Seiten, € 14,90
ISBN 978-3-000-45572-8

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