#59 – BüroF: Wählen gehen und entscheiden, in welcher Demokratie wir leben möchten

BüroF

„Frauen werbt und wählt, jede Stimme zählt, jede Stimme wiegt, Frauenwille siegt“ (Wahlslogan von Elly Heuss-Knapp zur ersten Wahl von Frauen in Deutschland am 19. Januar 1919)

Was bedeutet dieser Wahlaufruf 100 Jahre später für die heutigen Frauengenerationen? Wenn Frauen Einfluss auf Politik und Öffentlichkeit nehmen möchten, dann müssen sie sich engagieren. Und die grundlegendste Möglichkeit, sich zu engagieren, bietet die Teilnahme an Wahlen. Wir wollen Frauen nach wie vor aufrufen, ihre Macht nicht aufzugeben, sondern wählen zu gehen und zu entscheiden, in welcher Demokratie sie leben möchten. Von daher ist der Wahlslogan von Elly-Heuss-Knapp heute genauso aktuell wie damals.

Warum sollen sich Frauen einmischen?

Frauen stellen nicht nur bundes- sondern auch hessenweit die Mehrheit der Bevölkerung dar. Von daher haben sie einen Anspruch auf die Hälfte der Macht, d.h. eine paritätische Besetzung in den politischen Gremien.

Frauen werden aufgrund geschlechtsspezifischer Sozialstruktur unterschiedliche politische Interessen verfolgen. Aus diesem Grund ist es notwendig, an entscheidenden Stellen Frauen zu platzieren, da sie wertvolle und wichtige Erfahrungen repräsentieren und in ihre politischen Entscheidungen einfließen lassen.

Nur wenn Frauen und Männer sich gemeinsam und in gleichen Teilen einmischen, ist eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft langfristig möglich: Gesellschaftliche Strukturen, die sich nach wie vor vornehmlich an Männern richten und orientieren, können so überwunden werden. Notwendig ist das, denn alle Geschlechter stellen die heute vorherrschenden männlich orientierten Strukturen in Frage. Den Diskurs hier zu führen, ist Aufgabe der Politik, der Nichtregierungsorganisationen, der Bildungseinrichtungen, der losen Zusammenschlüsse in der Zivilgesellschaft und von jedem und jeder Einzelnen. Hier stehen wir erst am Anfang unserer Bemühungen, doch wir sind zuversichtlich, denn wir alle wissen aus unseren unterschiedlichen Erfahrungen: Gesellschaftliche Veränderungen zugunsten von Frauen „fallen leider nicht so vom Himmel“, sondern wir brauchen für langfristige Änderungen den bekannten „langen Atem“.


Über die Autorinnen

Das BüroF als überparteiliche Bildungseinrichtung mit einer über 65-jährigen Geschichte setzt sich für die Vermittlung zwischen Politik und Bürger*innen seit 1953 ein und ermutigt, sich in den unterschiedlichen politischen Kontexten in Hessen einzubringen. Seit der Gründung 1953 arbeiten in diesem Büro Frauen aller politischen Landtagsparteien über die Parteigrenzen hinweg konstruktiv zusammen, um Verbesserungen für Frauen in Hessen voranzutreiben. Schon die Vorkämpferinnen nach dem zweiten Weltkrieg hatten die Einsicht, dass das, was hinter ihnen lag – eine Politik von Wahnsinnigen, die in Krieg und Zerstörung sämtlicher demokratischer und menschlicher Strukturen endete, sich nie wieder wiederholen darf. Dafür stehen wir mit unserer demokratischen Grundeinstellung ein – gestern, heute und in Zukunft.

Insbesondere in Zeiten, in denen Errungenschaften, die für Frauen und für die Gesamtgesellschaft in den letzten Jahren erreicht wurden, in Misskredit oder in Frage gestellt werden, ist es mehr denn je unser Wunsch und unsere Aufgabe, Frauen zu informieren, Erreichtes zu sichern und demokratische Strukturen zu festigen. Einfache Lösungen für alle, wie Sie von manch populistisch Aktiven angeboten werden, wird es nicht geben. Es geht immer wieder um eine Kompromisslösung für möglichst viele auf politischer und gesamtgesellschaftlicher Ebene, um den Frieden im Land zu bewahren und die Gesellschaft nicht weiter zu spalten, sondern im Diskurs wieder zusammen zu bringen. Dafür stehen wir als Abgeordnete und das BüroF als überparteiliche Bildungseinrichtung ein.

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