#55 – Annika Popp: Frauen für Politik begeistern – eine Herzensangelegenheit

Annika Popp

Mir ist es ein Herzensanliegen Frauen für Politik zu begeistern. Es gibt sicher für alle Frauen die passende politische Aufgabe, man muss sie nur entdecken. Egal ob im Bundestag, in Landtagen, bei Verbänden oder wie bei mir auf kommunaler Ebene schreit die aktuelle Situation oft gerade danach, dass endlich auch mal eine Frau ihre Ansichten, ihr Feingefühl und ihre Kompetenzen einbringt und „das Ruder“ übernimmt. Frauen sind in vielen aktuellen, gesellschaftlich schwierigen und komplizierten Lagen aus meiner Sicht sogar die besseren Führungskräfte.

Denn es kommt auf Empathievermögen und eine starke Fähigkeit an, komplexe Sachverhalte sowohl sachlich als auch emotional richtig einzuordnen und die geeigneten Entscheidungen zu treffen. Können tun wir Frauen dies mindestens genauso gut wie Männer. Nur zutrauen tun es sich viele leider nicht. Das muss dringend geändert werden!

Vor 100 Jahren sind die Frauen aus der zweiten Reihe herausgetreten und haben für ihre Rechte politischer Teilhabe eingestanden. Das ist für uns Frauen heute Gott sei Dank beim Wahlrecht zu einer Selbstverständlichkeit geworden, aber in der politischen Praxis müssen wir noch genauso engagiert und selbstbewusst auftreten als unsere großen Vorgängerinnen.

Bürgermeisterin – Position aus Leidenschaft

Jeden Tag auf’s Neue arbeite ich daran, zu zeigen, dass wir Frauen in Führungspositionen gute Arbeit sowohl bei den „harten“ Faktoren, wie Bau, Finanzen, Wirtschaft, also auch bei den „weichen“ Standortfaktoren leisten und dass diese Arbeit sogar sehr viel Freude bereiten kann. Ich liebe meine Aufgabe als Bürgermeisterin, lebe sie als „Berufung“ und könnte mir momentan keine bessere Arbeit vorstellen. Und ich bin mir sicher, dass es auch anderen Frauen so geht oder so gehen kann, wenn sie erst einmal ein politisches Amt innehaben.

Frauen können im politischen Geschehen nicht nur Familie und Soziales

Wir Frauen müssen alle gemeinsam daran arbeiten, dass die leider immer noch in den Köpfen von Männern und Frauen existierenden Vorurteile gegenüber Frauen in der Politik verschwinden. Wir Frauen können nicht nur Familie und Soziales, sondern auch alle anderen Bereiche. Das sollten sich manche Entscheidungsträger bei der Vergabe von Kabinettsposten vielleicht auch mal bewusst machen. Wie wäre es zum Beispiel mit Ministerinnen des Inneren und der Finanzen und mit Ministern für Familie?

Das wäre auf der großen politischen Bühne schon mal ein Schritt und genug kompetente Frauen dafür gibt es allemal. Auf der kommunalen Ebene dürfen Frauen nicht nur dann als Bürgermeisterkandidatin aufgestellt werden, wenn es keinen geeigneten Mann gibt oder die Erfolgsaussichten gering sind, und sich zur Wahl stellende Frauen zum Beispiel für den Gemeinde- oder Stadtrat müssen zukünftig auch ganz selbstverständlich das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger erhalten und nicht bei der Stimmauszählung nach hinten durchgereicht werden. Also … es gibt für die Frauen von heute noch viel zu tun – auch 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts. Packen wir es an oder wie ich gerne sage: „Frauen an die Macht!“


Über die Autorin

Annika Popp ist 31 Jahre alt, verheiratet und lebt in Leupoldsgrün in Oberfranken, Bayern. Die studierte Deutsch- und Geschichtslehrerin ist seit 2014 jüngste Bürgermeisterin Bayerns sowie Kreisrätin.

Annika Popp ist in vielen lokalen und internationalen Frauennetzwerken aktiv, Initiatorin eigener Frauenveranstaltungen und Kämpferin dafür, dass Frauen auch in Männerdomänen zu einer Selbstverständlichkeit werden.

Ausgezeichnet mit dem Helene-Weber-Preis 2015.

Weitere Infos und Kontakt unter www.annika-popp.de

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