#51 – Angelika Zacek: Selbstverständlichkeit

Angelika Zacek

Für mich war es eine Selbstverständlichkeit mit 18 Jahren wählen gehen zu können. Ich möchte erleben, dass es für die nächste Generation Frauen eine Selbstverständlichkeit ist Führungspositionen besetzen zu können.

Wählen zu gehen, ja klar, für mich war das kein Thema. Abitur zu machen hingegen schon. Es lag an der Gunst meines Vaters mich nicht in eine Lehre zu schicken, wie er selber musste, sondern mich durchzufüttern und zu versorgen bis zum Abitur. Wir vier Kinder sollten es besser haben als er. Geld war ein Thema in unserer Arbeiterfamilie. Studieren zu gehen war auch keine Selbstverständlichkeit für mich, ich musste es mir selbst finanzieren. Mehr in Bildung zu investieren um wirklich jeden und jeder die Chancen zu bieten alles studieren und alles werden zu können ist eine so wichtige Voraussetzung für eine gerechte Gesellschaft. Der Staat und die Gesellschaft sind heute in einer Position, dass wir uns das auch gut leisten und unseren Kindern gönnen könnten.

Uns Frauen steht Gleichberechtigung zu!

Als Frau Regisseurin zu werden, war aus meiner Sicht einer „Ernst Busch Studentin“ nichts Ungewöhnliches. Aus meiner Sicht nach 10 Jahren Berufserfahrung änderte sich das. Die gläserne Decke, das mühevolle Vorwärtskommen, obwohl ich erfolgreiche Inszenierungen machte, war für mich eine schmerzhafte Erkenntnis. 70 % aller Inszenierungen sind von Männern. 78 % der Intendanzen und Direktionen sind männlich besetzt. Wobei das Publikum im Durchschnitt zu 65 % Frauen sind. Ja, auch ich dachte, alle, die sehr gut sind, schaffen es bis nach oben. Fehlanzeige. Jetzt kämpfe ich als Mitgründerin und Vorstandsvorsitzende von Pro Quote Bühne dafür, dass die Theater das Grundgesetz einhalten und aufhören Frauen zu benachteiligen oder zu missachten und zu übersehen.

Ich möchte erleben dass es eine Selbstverständlichkeit ist für die nächste Generation Frauen, dass sie zum gleichen Anteil in jedem Beruf und in jede Führungspositionen gelangen können. Wir Frauen müssen nicht besser sein als die Männer um diese Positionen zu bekommen, sie stehen uns zu. Es geht auch gar nicht darum besser oder schlechter zu sein sondern hier geht’s darum anders sein zu können mit demselben Recht zu sein. Augenhöhe statt Dominanzkultur und ein respektvolles, interessiertes und wertschätzendes Miteinander das wünsche ich mir. Letztlich ist es ist eine Bereicherung für alle Menschen. Vielfalt und Balance sind aus meiner Sicht der Schlüssel für eine ausgeglichene und vollkommenere Gesellschaft.


Über die Autorin

Dipl. Reg. Angelika Zacek, in Wien geboren, studierte zunächst Schauspiel und arbeitete als Schauspielerin in Wien, Linz und Hannover. Später folgte ein Regie-Studium an der Hochschule „Ernst Busch“ in Berlin. Seit 2008 ist sie als freie Regisseurin tätig, unter anderem am Staatstheater Cottbus, am Hans Otto Theater Potsdam, an den Bühnen der Stadt Gera, dem Staatstheater Karlsruhe und dem Mainfrankentheater in Würzburg.

Ihre Inszenierung „Amphitryon“ war maßgeblich für die Auszeichnung des Würzburger Theaters für „Couragierte Theaterarbeit“ bei den Bayerischen Theatertagen 2011. Zudem ist Angelika Zacek am Max Reinhardt Seminar Wien 2012 als Lehrbeauftragte tätig gewesen. Die Inszenierung mit den Studenten wurde in Wien am Schönbrunner Schlosstheater aufgeführt.

2017 gründete sie zusammen mit sechs weiteren Regisseurinnen den Verein Pro Quote Bühne e.V. und engagiert sich dort als Vorstandsvorsitzende für die Gleichstellung der Geschlechter und Chancengleichheit in der Theaterlandschaft.

In der Kritiker-Umfrage des Theater heute Jahrbuchs 2018 wurde sie als beste Nachwuchskünstlerin genannt.

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