#48 – Claudia Zahn, Evangelische Familienbildungsstätte Kassel: Persönliche Einlassungen

Claudia Zahn

Familien mit jungen Kindern bilden einen besonderen Schwerpunkt der Arbeit der Evangelischen Familienbildungsstätte in Kassel.

Familie – das ist ein komplexes System, mit vielen verschiedenen Facetten und Lebensformen. Oftmals ist die Familienbildungsstätte eine erste Anlaufstelle nach der Geburt des Kindes. Die Freude um den neuen Erdenbürger ist groß – die Fragen aber auch! Alltägliches hat eine große Bedeutung – die damit verbundenen Fragen wiegen schwer. „Trinkt mein Kind genug?“, „Fördere ich mein Kind genug?“ „Wer bleibt zu Hause, wenn das Kind krank ist?“ „Bin ich eine gute Mutter?“

Im Gespräch mit der eigenen Mutter oder Schwiegermutter über das, was gerade oben auf liegt und beschäftigt, kommt schnell Verwunderung auf. „War das bei Euch auch so?“.

Nein – die Lebenswirklichkeiten und Rahmenbedingungen sind nicht miteinander zu vergleichen. Schnell kommt das Gefühl auf, es liegen nicht knapp 40 Jahre zwischen heute und früher, sondern ein ganzes Universum. Somit fehlen oftmals gute Beispiele oder Muster, die zur Orientierung beitragen könnten. Hier hat der Kontakt mit Frauen in einer vergleichbaren Situation eine große, entlastende Bedeutung.

Die Familie – komplexes System mit unterschiedlichen Lebensentwürfen

„Die Gruppe“ im Smartphone ist eine verlässliche, wichtige Begleiterin. „Bei mir auch…“ – das ist der Satz, der eben im Dialog mit Mutter oder Schwiegermutter nicht gehört werden kann. Mit Rat und Tat stehen sich hier Mütter bei; es wird gesucht und gefunden, Verabredungen werden getroffen, Rezepte werden ebenso geteilt wie das Leid einer Nacht mit Mittelohrentzündung. „Bei mir auch…“ Zuspruch, Halt und Trost – ein „Emoticons“ sagt mehr als tausend Worte.

Doch die Ordnung wird schnell gestört, wenn unterschiedliche Lebensentwürfe aufeinander treffen. Eingangs sagte ich: Familie – das ist ein komplexes System, mit vielen verschiedenen Facetten und Lebensformen. Optimistisch pauschal formuliert: Frauen haben die Möglichkeit zu wählen, ob sie Mutter werden wollen. Mütter und Väter wählen, wann die Vereinbarkeit von Familien und Beruf von der Theorie in die Praxis überführt werden soll und in welchem Umfang.

In der Praxis allerdings beobachte ich, dass unterschiedliche Lebensentwürfe nicht selbstverständlich und gleichberechtigt nebeneinander stehen bleiben. Der kleine Unterschied – bei aller Teilhabe und Mitbestimmung – liegt dann doch schnell zwischen der selbstgebackenem Biodinkelvollkornschnitte und dem gekauften Käsekuchen, wenn sich „Die Gruppe“ außerhalb trifft.

Konkurrenz unter Frauen ist ein Thema – auch wenn wir es nicht hören wollen. Frauensolidarität hat Grenzen. Ein einfaches Beispiel? Gerne!
Anfang Oktober ist in Eschwege die 2. TortenFlair-Erlebnismesse. Traummotivtorten für den Kindergeburtstag im Mittelteil des Flyers. Viel Zuspruch – „Die Gruppe“ fährt geschlossen hin. Die ersten Stressvoten sind zu hören. „Ich backe sonst immer einen einfachen Blechkuchen für den Kindergarten..“. Ein Seufzen bleibt im Raum.


Über die Autorin

Claudia Zahn ist Dipl. Sozialarbeiterin/-pädagogin und Leiterin der evangelischen Familienbildungsstätte Kassel / Ev. Familienzentrum Wehlheiden

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