#42 – Henrike von Platen: Ein Penny für das Frauenwahlrecht!

Henrike von Platen

Heute liegt sie in einer Vitrine im Britischen Museum in London, die kleine Münze, auf die in großen, schiefen Lettern VOTE FOR WOMEN gestanzt wurde, quer über das bärtige Konterfei von King Edward VII. Ursprünglich geprägt wurde sie um 1903, der König als Inbegriff für politische und wirtschaftliche Macht. Etwa zehn Jahre später stand auf dem Penny also die dringlichste Forderung der britischen Suffragetten zu lesen: das Wahlrecht für Frauen. Ein kluger Schachzug, ging die kleine Münze mit geringem Wert doch durch enorm viele Hände. So verhalfen die Frauenrechtlerinnen ihrem Anliegen zu dem, was man heute eine große Reichweite nennt – auch wenn sie dafür das Risiko einer Gefängnisstrafe für das Beschädigen von Geld in Kauf nahmen.

Frauenpolitik mit den Mitteln der Finanzen

Ohnehin griffen die Suffragetten im Kampf um die Frauenrechte zu drastischen Mitteln: Fensterscheiben barsten, Briefkästen brannten, sogar der Teepavillon im königlichen botanischen Garten in London stand in Flammen. Weniger drastisch, aber ebenfalls gut sichtbar waren die vielen Alltagsgegenstände in Lila, Weiß und Grün. Die Farben der Suffragetten standen für Würde, Ehre und Hoffnung und prangten auf Brettspielen, Hutbändern, Aufnähern, Fächern oder Schals.

VOTE FOR WOMEN also. Noch fehlten Frauen in allen wichtigen Ämtern, hatten kaum Zugang zu Geld, nicht nur in Großbritannien. Zeitgleich kämpften auch Frauenrechtlerinnen in Deutschland für die Gleichstellung, in der Politik wie im Berufsleben. Dabei zogen sie als Krankenschwestern in den Krieg, übernahmen in den Fabriken und auf den Feldern die Arbeit ihrer Männer, arbeiteten als Postbotinnen, Schaffnerinnen oder Schornsteinfegerinnen. Ihre Söhne, mit Namen wie Karl, Werner oder Herbert, und ihre Töchter, die sie Gertrud, Hildegard oder Lieselotte nannten, unser aller Großeltern sind damit aufgewachsen, dass Frauen und Geld nicht zusammengehören und Frauen kaum öffentlichen Einfluss nehmen.

VOTE FOR WOMEN, ab 1919 war es soweit. Das Frauenwahlrecht war erkämpft. Seitdem hat sich enorm viel getan: Längst bekleiden Frauen politische Ämter, sie studieren, übernehmen Führungspositionen und gründen Unternehmen, sind wirtschaftlich unabhängig und ernähren ihre Familie.

Nur an einem hat sich nichts geändert: Noch immer verdienen Frauen überall auf der Welt signifikant weniger als Männer. Dabei ist Geld die wichtigste Stellschraube auf dem Weg zur Gleichstellung, die noch lange nicht erreicht ist. Gerechte Bezahlung ist wie ein Domino-Effekt: Wenn wir Lohngerechtigkeit erreicht haben, werden wir neben vielem anderen auch Chancengleichheit für Männer und Frauen erreicht haben.
Zugegeben, Frauenrechte werden inzwischen auch ohne Vandalismus sichtbar. Ganz offiziell erscheint zum 100-jährigen Jubiläum eine 20-Euro-Sondermünze mit der Randschrift „Heraus mit dem Frauenwahlrecht“. Den Suffragetten wäre es eine Freude gewesen. Stellt sich jetzt bloß noch die Frage: Auf welchen Penny hätten sie wohl die Forderung nach EQUAL PAY gestanzt?

Bildquelle/Copyright: Oliver Betke


Über die Autorin

Henrike von Platen gründete 2017 das FPI Fair Pay Innovation Lab, das Unternehmen bei der praktischen Umsetzung nachhaltiger Entgeltstrategien unterstützt. Die Finanzexpertin war von 2010 bis 2016 Präsidentin der Business and Professional Women Germany, gründete einen Fraueninvestmentclub, ist Hochschulrätin an der Hochschule München und engagiert sich im Arbeitskreis deutscher Aufsichtsrat e.V. sowie bei FidAR, der Initiative für Frauen in die Aufsichtsräte. Ihr Ziel: Lohngerechtigkeit für alle.

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