#4 – Astrid Gerold: Ein Portrait der französischen Schriftstellerin Olympe de Gouges (1748 – 1793)

Olympe de Gouges Portrait

Olympe de Gouges wird am 7. Mai 1748 als Marie Gouze im südwest-französischen Montauban geboren. Ihre Mutter Anne-Olympe Mouisset ist mit dem Metzger Pierre Gouze verheiratet, der Vater ihrer Tochter ist aber Gerüchten zufolge der Marquis de Pompignan, Magistrat und Mitglied der Académie Francaise. Marie wird im Alter von 17 Jahren verheiratet, ihr Mann stirbt bald nach der Hochzeit und hinterlässt ihr Geld. Sie geht, zusammen mit ihrem Sohn Pierre, nach Paris.

Die Frau wird frei geboren und bleibt dem Manne gleich in allen Rechten.“

In Paris nennt sie sich Olympe de Gouges und nimmt am kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Salons und Frauenclubs teil. Sie verfasst sozialkritische Romane und Theaterstücke, in denen sie die Sklaverei anprangert und die sich auch mit der Rolle der Frau in der Gesellschaft beschäftigen. Sie fordert die Einrichtung eines zweiten Théâtre Francais, an dem ausschließlich Stücke von Frauen aufgeführt werden.

1789 wird im Zuge der Französischen Revolution die Deklaration der Menschen- und Bürgerrechte verfasst, zwei Jahre später nimmt die Nationalversammlung die neue Verfassung an, die auf dieser Erklärung basiert. Olympe de Gouges ist empört darüber, dass die Frauen, ohne deren Einsatz auf den Barrikaden die Revolution nicht erfolgreich gewesen wäre, nun von den eigenen Kampfgefährten wieder aus dem politischen Leben verbannt werden sollen. Die Frauen protestieren in einem ‚Gesuch der Damen an die Nationalversammlung.

Olympe de Gouges: Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin

Wenige Tage später veröffentlicht Olympe de Gouges ihre ‚Déclaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne’ – ‘Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin’ mit zwölf Artikeln, in denen sie die Aufnahme der Frauen in die Nationalversammlung fordert und in Artikel 3 erklärt: „Die Legitimität jeder Herrschaft ruht wesentlich in der Nation, die nichts anderes darstellt als die Vereinigung von Frauen und Männern.“ Der Deklaration angehängt ist ein ‚Entwurf eines Gesellschaftsvertrages zwischen Mann und Frau’, ein Ehevertrag, in dem die Eheleute zu gleichberechtigten PartnerInnen erklärt werden

Die Revolution in der Revolution, die Olympe de Gouges unter den Frauen anzettelt, wird den Männern um Robespierre gefährlich, zumal sich die Frauenrechtlerin auch auf anderen Gebieten als humanistischer, unabhängiger Geist entpuppt: Als im „Blutseptember“ die Köpfe rollen, tritt de Gouges gegen die Todestrafe und sogar gegen die Hinrichtung des Königs ein. Sie attackiert Robespierre und widmet ihre Erklärung der Menschenrechte für die Frauen der später hingerichteten Königin Marie-Antoinette.

Die Attackierten verunglimpfen de Gouges, als Prostituierte, sie diffamieren sie als „dekadent“ und dem Wahnsinn verfallen. Sie wird wegen Hochverrats mit der Anklage: „Anschlag auf die Volkssouveränität“ verhaftet. Nach mehrmonatiger Gefangenschaft wird Olympe de Gouges am 3. November 1793 hingerichtet, und mit ihr viele andere couragierte Frauen.

Olympe de Gouges – fast vergessen

Vor ihrer Wiederentdeckung durch die Neue Frauenbewegung ist Olympe de Gouges fast vergessen gewesen. In den Geschichtsbüchern tauchte sie kaum auf, ihre ‚Déclaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne’ war nicht veröffentlicht. Erst Mitte der 70er Jahre grub Hannelore Schröder das vergessene und totgeschwiegene Dokument in der Bibliothèque Nationale in Paris aus und machte es wieder bekannt. 1986 brachte Benoîte Groult eine Auswahl der Schriften und Reden Olympe de Gouges’ heraus, seither erschienen weitere Textsammlungen und Biografien.

Heute sind wir als europäische Frauen rechtlich gleichgestellt! In vielen Bereichen, wie z.B. Lohngleichheit, Vertretung von Frauen in Spitzenpositionen von Politik und Wirtschaft, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Schutz vor Gewalt handelt es sich aber faktisch noch um eine Rechtsgleichheit bei deutlicher Benachteiligung in der Rechtswirklichkeit. Mit dem Zitat: „Frauen, wacht auf! Was auch immer die Hürden sein werden, die man euch entgegenstellt, es liegt in eurer Macht, sie zu überwinden. Ihr müsst es nur wollen.“ motiviert uns Olympe de Gouges die notwendige Ausdauer und Hartnäckigkeit zur Umsetzung gleichberechtigter Lebenswirklichkeiten aufzubringen.

Quellen: http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/die-toechter-der-olympe-de-gouges-1.18156107 / www.frauenmediaturm.de/olympe-de-gouges-1748-1793


Über die Autorin

Astrid Gerold ist 55 Jahre und hat zwei erwachsene Töchter. Sie lebt mit ihrem Mann in Diemelsee, arbeitet als Sozialarbeiterin in einer psychiatrischen Tagesklinik.

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