#38 – Das Wirken Henriette Arendts (11.11.1874-22.08.1922)…

Frauenwahlrecht

… die erste Frau in dem (noch) männlich dominierenden Arbeitsfeld Polizei.

Henriette Arendt (Tante von Hannah Arendt) hat 1895/1896 eine einjährige Ausbildung zur Krankenpflegerin absolviert und war bis zum Jahre 1903 in verschiedenen Krankenhäusern als Krankenpflegerin beschäftigt. Am 20.02.1903 wurde Henriette Arendt als erste Frau im Deutschen Reich Polizeiassistentin. Zugleich war sie die erste Frau in einer europäischen Polizeibehörde. Ihr Dienstort war Stuttgart. Dort war sie in weißem Schwesterngewand bei der Sittenpolizei.

Henriette Arendt
Henriette Arendt, Mabuse Verlag

Henriette Arendt war in der damaligen Zeit während ihrer beruflichen Tätigkeit auf den sitten- und kriminalpolizeilichen Dienst und somit auf den Fürsorgeaspekt bzw. typisch weibliche und somit unmännliche Aufgaben festgelegt (vgl. Würz, 1993, S. 20 ff.). Eine Auseinandersetzung oder Beeinflussung ihrerseits mit polizei- und gesetzmäßiger Handhabung musste bzw. sollte und konnte demnach nicht erfolgen (vgl. Wieking, 1958, S. 8 f.).

Die Aufgaben der emanzipierten jungen Frau Arendt bestanden somit darin, bei polizeiärztlichen Untersuchungen und Verhören von Frauen anwesend zu sein, sich um Prostituierte zu kümmern, Kinderfürsorge zu betreiben und männliche Gefangene unter 18 Jahren zu betreuen. Henriette Arendt wurde nur von wenigen Frauen und Männern in Ihrem Dienst bei der Polizei unterstützt, die eine psychologische und institutionelle Notwendigkeit in dem Dienst von Frauen für Frauen und Schutzbefohlene im Dienste der Polizei für wichtig erachteten. Bereits im Jahre 1908 wurde Henriette Ahrendt unehrenhaft aus ihrem Amt entlassen, weil sie sozialreformerische (General)Kritik an bestehenden Einrichtungen übte. Gefordert wurde von ihr nämlich eine Ein- und Unterordnung in den männlich-bürokratischen Apparat, in dem eine Frau leise und gehorsam ihren Dienst zu versehen hatte. Diese Entlassung (erzwungene Kündigung) empfanden viele Frauen zu Recht als Kollektivstrafe, die es ihnen erschwerte sich beruflich zu etablieren.

Henriette Ahrendt – Vorbild für Frauen im polizeilichen Dienst heute

Das Wirken Henriette Ahrendts führte dazu, dass weitere Frauen in den polizeilichen Dienst aufgenommen worden sind. Der Weg der Frauen war steinig und es dauerte lange, bis diese alle polizeilichen Ämter bekleiden durften und statt unterstützender Tätigkeiten die vollen Aufgaben wahrnehmen und Einfluss auf die Organisation Polizei nehmen konnten (vgl. Pluta, 2010, S. 11).

Im Jahre 1923 entstand die Organisationsform der Weiblichen Kriminalpolizei (WKP). Diese wurde im Rahmen der Neuorganisation der Polizei in den 1970er Jahren aufgelöst. Ihre Angehörigen wurden in Folge dessen in die Kriminalpolizei integriert. Die Tätigkeiten der Frauen in der WKP waren folgende: Sorge für kriminell und sexuell gefährdete Minderjährige; Bearbeitung von Strafanzeigen gegen weibliche Kinder, Jugendliche und Heranwachsende; Bearbeitung von Strafanzeigen gegen Jungen bis 14 Jahren; Vernehmung von Tatzeugen oder Tatopfern bei Sexualdelikten; Opferhilfe. Die Aufgabe der WKP war somit eine repressive Ermittlungstätigkeit und eine präventive Arbeit. Des Weiteren wirkten WKP-Beamtinnen bei der Einleitung von erzieherischen und fürsorgerischen Maßnahmen mit und kooperierten mit Fürsorgeeinrichtungen.

In den siebziger Jahren wurde die weibliche Kriminalpolizei aufgelöst und in die Kriminalpolizei integriert (vgl. Pluta, 2010, S. 11). Ab dem Jahre 1978 bekamen Frauen schließlich auch Zugang zur Schutzpolizei (vgl. Franzke, 1997, S. 7). 1990 konnten schlussendlich in allen Bundesländern Frauen ihren Dienst in der Schutzpolizei verrichten konnten.

Bildquelle: Pixabay


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