#33 – Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG): Unsere Verfassung lässt keinen Zweifel

Verfassungsauftrag Gleichstellung-Straßenbahn Foto: Michael Bertling, FMK

Die Durchsetzung der Gleichberechtigung, die Gleichstellung von Frau und Mann ist auch 100 Jahre nach dem Frauenwahlrecht und 70 Jahre nach dem Einzug in die Verfassung immer noch nicht in bester Verfassung.

Da, wo Rechte nicht umgesetzt werden oder da, wo das Recht den tatsächlichen Verhältnissen nicht gerecht wird, ist auch die Gleichberechtigung nicht erreicht, in Gefahr oder wird wieder zurückgedrängt. Die Auswirkungen kosten unsere Gesellschaft täglich viel Geld, Kraft, women – und manpower und Zukunftsoptionen.

Ein Beispiel: Beim Thema Digitalisierung muss es darum gehen, die Zukunftschancen, ebenso wie ihre Risiken nicht technikverliebten Männern allein zu überlassen, sondern miteinander menschen- und gendergerecht zu gestalten. Die Anstrengungen Mädchen und Frauen in MINT-Berufen voranzubringen, sind deshalb genauso notwendig, wie die Forderung nach mehr interdisziplinärer Arbeit in den Kommunen und in der Politik um diesen Zukunftsherausforderungen gerecht zu werden. Das heißt auch, dass in allen Gremien, Arbeitskreisen, Ausschüssen und Task forces für die Zukunft eine paritätische Beteiligung von Frauen und Frauennetzwerken, zwingend notwendig ist.

Es war ein langer Weg, bis Frauen in Deutschland als tatsächlich gleichberechtigt anerkannt wurden. Erst durch das Grundgesetz im Jahre 1949 wurde gegen große Widerstände vieler männlicher Abgeordneter, die Gleichberechtigung in dieser rechtlichen und eigentlich einklagbaren Grundlage festgeschrieben. Wir alle kennen unsere Grundrechte. Eine Besinnung der Bevölkerung, unserer PolitikerInnen, der Wirtschaft… auf diese verankerten Wertevorstellungen kann und wird für uns alle förderlich sein.

Für die heutige Generation der Frauen (und Männer) ist vieles selbstverständlich geworden. Ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben wird nicht mehr in Frage gestellt. Die Frauen in Deutschland sind in vielen Bereichen am Ziel angekommen – aber bei weitem noch nicht überall.

Tendenzen in der längeren Vergangenheit, aber verstärkt auch in der letzten Zeit zeigen, dass wir unsere hart erkämpften Grundsätze zu einem gleichberechtigten Zusammenleben verteidigen müssen.

Wir Frauen sind mit ihren Netzwerken aufgerufen, unsere Rechte deutlich zu machen. Männer sind aufgerufen, die Rechte der Frauen zu akzeptieren und sich ebenfalls für eine gleichberechtigte Gesellschaft einzusetzen.

Wir sind gleichberechtigt!

Das im Grundgesetz verankerte Demokratie und Gleichberechtigungsgebot ist Grundlage der aktuellen Debatte um eine gleichberechtigte Repräsentanz von Frauen und Männern im Parlament. Aktuell gehen die Zahlen sogar hinter den über Jahre tragenden Anteil von ca. 30 % zurück
Die Demokratie, die Wahlrechtsfreiheit und die Parteienfreiheit müssen mit dem Gleichstellungsgebot in Einklang gebracht werden.

Der zurückgehende Frauenanteil hat auch damit zu tun, dass mehr Kräfte in den Parlamenten und Räten vertreten sind, die nicht nur in erster Linie Männer als Kandidaten aufstellen, sondern auch aktiv Gleichstellungs- und Genderfragen negieren. Wer sich von den reaktionären politischen Strömungen distanzieren will, tut gut daran sich auch aktiv und deutlicher als bisher zur Gleichberechtigung und Gleichstellung als unverzichtbaren Bestandteil von Freiheit und Demokratie zu bekennen.

Eine Wahlrechtsreform, die im Sinne eines Paritégesetzes, stabile Grundlagen für ein Listen- und Wahlkreissystem schafft, das die paritätische Vertretung von Männern und Frauen sicherstellt, ist überfällig.

Wir sind uns einig, dass Netzwerke sehr hilfreich und eine gute Sache sind

Das Netzwerk ist heute, zu einem Synonym für Vielgestaltigkeit, Komplexität, Dezentralisierung und übergreifende, horizontale Kommunikation mit informellem Charakter geworden. Die Verbreitung dieser netzartigen Organisationsformen kann als Reaktionen auf soziale, politische und ökonomische Ausdifferenzierungen, Spezialisierungen und Interdependenzen (gegenseitige Abhängigkeiten) interpretiert werden.

Netzwerke sind jedoch nicht nur als isolierte Phänomene, sondern als zentraler Ausdruck gesellschaftlicher Modernisierung zu verstehen.
Zur Umsetzung der Interessen der BAG, sind die richtigen Kontakte und Netzwerke unabdingbar. Das Netzwerk der BAG ist ein Geflecht von dauerhaften, aktuellen und aktualisierbaren Beziehungen, um die Ziele der Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Deutschland durchzusetzen.

„Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen. Sie bekommen nichts.“ – Simone de Beauvoir


Der BAG ist die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Gleichstellungsstellen und ein professionelles Netzwerk der institutionalisierten Frauenbewegung. Sie dient der Vernetzung und mischt sich als offenes Bündnis von Frauen in politische Entscheidungsprozesse in Deutschland ein.

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