#28 – Wilhelmine Minna Theodore Marie Cauer (*1. November 1841,† 3. August 1922)

Weiße Taube

Wilhelmine Minna Theodore Marie Cauer war eine deutsche Lehrerin, Journalistin, Pazifistin und Aktivistin im so genannten „radikalen“ Flügel der bürgerlichen Frauenbewegung. Sie kämpfte gegen die Benachteiligung der Frauen in Politik und Beruf, der Ehe und der sozialen Lage alleinerziehender Mütter jedweder Klasse. Minnas Leitsatz lautete: „Die Frau gehört nicht ins Haus, sie gehört in den Reichstag.“

Minna bekam mit ihrem ersten Mann Dr. August Latzel einen Sohn. Beide verstarben (Ehe mit August Latzel 1862-1866, Sohn 1863-1865). Nachdem auch ihr zweiter Ehemann Eduard Cauer verstarb (1881; Ehe: 1969-1881) wurde sie von Selbstmordgedanken geplagt. Sie widmete ihr ganzes Sein in Folge dessen der Frauenbewegung. Ihr Meinung nach könne eine Gleichberechtigung von Mann und Frau nur dann Erfolg haben, wenn sich alle Frauen zusammenschließen und „netzwerken“ würden.

Minna Cauer widmete sich frauengeschichtlichen Studien und veröffentlichte Artikel über bedeutende Frauen der Geschichte. Im Jahre 1885 wurde sie Mitglied in der neu gegründeten „Deutschen akademischen Vereinigung“, in der sich Bildungsreformer, Vertreter des Naturalismus und Frauenrechtlerinnen versammelten. Mit Helene Lange gehörte sie 1887 zu den Unterzeichnerinnen der „Gelben Broschüre“, die unter anderem bessere Ausbildungsbedingungen für Lehrerinnen forderte.

Recht der Frauen auf Arbeit und Bildung

Im Jahre 1888 gründete und leitete Minna Cauer in Berlin den Verein „Frauenwohl“ (Gruppe der „Deutschen akademischen Vereinigung“), um das Recht der Frauen auf Arbeit und Bildung durch Bildungskurse und Stellenvermittlungen zu aktivieren. Der Verein löste sich 1893 von der „Deutschen akademischen Vereinigung“. 1889 gründete sie den „Kaufmännischen Hilfsverein für weibliche Angestellte“, dessen Vorsitz sie übernahm. Der Verein förderte den Ausbau von Selbsthilfeeinrichtungen. 1892 wurde sie Mitglied in der von Bertha von Suttner gegründeten Deutschen Friedensgesellschaft.

Gründung der Zeitung „Die Frauenbewegung“

1895 gründete sie die Zeitung „Die Frauenbewegung“ (Sprachrohr der radikalen und der gemäßigten Gruppierungen in der Frauenbewegung), deren Herausgeberin sie bis zu dessen Einstellung im Jahre 1919 war. Hintergrund war nicht nur eine nicht weitere mögliche Finanzierung dieser, sondern auch der Gedanke, dass die „veraltete“ Frauenbewegung einer Reformierung bedürfe, um den neuen politischen Gegebenheiten gerecht zu werden und die Gleichstellung der Geschlechter weiter forcieren. 1896 organisierte sie den Internationalen Kongress für Frauenwerke und Frauenbestrebungen in Berlin und wurde 2. Vorsitzende. In diesem Zusammenhang lernte sie Clara Zetkin kennen.

Verband fortschrittlicher Frauenvereine (VFF)

1898 veröffentlichte Minna Cauer ihre Studie „Die Frau im 19. Jahrhundert“ und wurde 1899 Mitbegründerin und Vorsitzende von dem „Verband fortschrittlicher Frauenvereine (VFF)“ (Dachverband der radikalen [linken]Frauenvereine). Dieser diskutierte unter anderem folgende Themen: Prostitution, Frauenwahlrecht, Angleichung der Bildung von Mädchen an die der Jungen. 1907 schloss sich der Verband dem Bund deutscher Frauenvereine (BDF) an. In der Folge legte sie dessen Vorsitz nieder. 1902 gründete Cauer den „Deutschen Verein für Frauenstimmrecht“, dessen Vorsitz sie innehatte. Aus diesem ging im Jahre 1904 der „Deutsche Verband für Frauenstimmrecht“ hervor. Im Jahre 1908 wurde Minna Cauer Mitglied in der „Demokratischen Vereinigung“, die während des 1. Weltkrieges aufgelöst wurde. Noch im gleichen Jahr wird sie Vorsitzende des neu gegründeten Preußischen Landesvereins für das Frauenstimmrecht. 1911 nahm sie als Demonstrantin am 1. Internationalen Frauentag teil.

Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF)

Ab 1912 bis 1918 arbeitete Cauer als Redakteurin für die „Zeitschrift für Frauenstimmrecht“ und veröffentlichte darin trotz Strafandrohungen und einer Pressezensur Antikriegsaufrufe. 1914 gründete sie mit anderen Frauen den „Frauenbund der Deutschen Friedensgesellschaft“. 1915 protestierte Minna Cauer gegen den Boykott des Internationalen Frauenfriedenskongresses in Den Haag durch den BDF und gründet mit anderen Frauen das „Internationale Frauenkomitee für dauernden Frieden“. Aus diesem ging die „Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF)“ hervor.

1916 wurde Minna Cauer Mitglied im „Bund Neues Vaterland“, welcher wegen seiner pazifistischen Grundhaltung verboten wurde. In den Jahren 1918/1919 war sie Mitglied in der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und lehnte (1919/1920) den Versailler Vertrag ab. 1922 verstirbt sie in Berlin. Die Inschrift auf dem alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Schöneberg auf ihrem Grabstein lautet: „Vollendet, was wir begonnen!“

Bildquelle: Pixabay


LeMO: Minna Cauer
https://www.dhm.de/lemo/biografie/minna-cauer
Abgerufen am 15.10.2018

AddF: Minna Cauer
http://www.addf-kassel.de/fileadmin/user_upload/Dossiers/Cauer/Cauer_Lebenslauf.pdf
http://www.addf-kassel.de/dossiers-und-links/dossiers/minna-cauer/
Abgerufen am 15.10.2018

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