#19 – Ute Knie: Frauen geht online

Ute-Knie

Frauenbewegung der EKHN im Internet- Wikifemina

Was ist eine Friedenspfarrerin? Eine Pfarrerin, die sich professionell um Fragen von Krieg, Frieden und Abrüstung kümmert. „Warum sind seit 30 Jahren Frauen auf der Friedenspfarrstelle der EKHN“, fragt eine Referentin zur Einführung. Bei Google und Wikipedia ist nichts zu finden. Zufall oder Absicht? Die Friedenspfarrerin war eine Errungenschaft der zweiten Frauenbewegung der 68erinnen. Erkämpft am „Widerstandstag der Frauen“ gegen die Stationierung der Cruise Missile Langstreckenraketen in Deutschland. Es war eine Aktion der Frauennetzwerke und feministischer Werkstätten in Hessen und eine kirchenpolitische Aktion der Gruppe „Frauen-Frieden in der EKHN“. Die erste Frau auf der Pfarrstelle für Friedensarbeit in der EKHN war Cordelia Kopsch; später wurde sie Stellvertreterin des Kirchenpräsidenten.

www.ekhn.de  – Friedenspfarramt

Zur Initiative Wikifemina

Bei Wikipedia gibt es wenig Artikel zu Frauengeschichte. 85 Prozent der Schreibenden sind Männer. Wer schreibt, bleibt. Wir entscheiden uns für Wikifemina. Zudem wird die Geschichte der zweiten Frauenbewegung in der Landeskirche als Online-Projekt auf der Website ekhn.de dokumentiert.

Wir verlassen uns nicht auf die Printmedien, sondern machen eigene Einträge. Was heute nicht in digitalen Medien zu finden ist, wird vergessen; hat nicht existiert. Wissenstransfer geschieht im 21. Jahrhundert über die digitalen Suchmaschinen. Wer Infos sucht, schaut schnell im Internet. Printmedien und Dokumentationen brauchen den Sprung in die digitale Welt, den Sprung auf die Websites der Organisationen. Gemeinsam mit einer Kollegin und einer Begleitgruppe, dabei eine aktive Bloggerin und Journalistinnen starten wir das Online-Projekt, die Geschichte der Frauenbewegung der EKHN neu zu verorten. Wir können unser Stimm- und Wahlrecht aktiv nutzen, um unsere Geschichte zu dokumentieren. Wir werden sichtbar als Frauen im Netz und belegen die Daten und Fakten.

Die zweite Frauenbewegung der EKHN erkämpfte zudem ein Frauenreferat (Arbeitsstelle Frauen), forderte Quotierung und mehr Frauen in kirchlichen Leitungsämtern und die Anerkennung und Wertschätzung der Ehrenamtlichen: Daraus wurde eine Ehrenamtsakademie. Zudem wird in dem Online-Projekt die Biographie einzelner haupt- und ehrenamtlicher Protagonistinnen veröffentlicht (siehe www.ekhn.de Frauenbewegung Heidi Rosenstock).

An dem Tag der Eröffnung „Damenwahl- 100 Jahre Frauenwahlrecht“ im Historischen Museum Frankfurt gehen wir online. Regelmäßig kommt eine „Frau des Monats“ auf die Startseite von www.ekhn.de. Dabei entdeckten wir verblüfft, dass in Frankfurt am Main die erste Wahl für Frauen in den Kirchenvorstand auch vor 100 Jahren stattfand. Zeitgleich mit dem politischen Stimmrecht wurden die ersten Frauen in den Kirchenvorstand gewählt. Seit wann gibt es in Ihrer Kirchengemeinde das Frauenwahlrecht?

FRAUEN GEHT ONLINE

Foto: Bettina Behler


Links zum Thema

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Frauenbewegung Heidi Rosenstock

Frauenbewegung Friedenspfarramt

WIKIPEDIA- Die Frauenbewegung der EKHN 

So kam die Frauengeschichte der hessen-nassauischen Kirche ins Internet


Über die Autorin

Ute Knie, M.A. geb. 1950. Theologin, Pädagogin und Pfarrerin, Direktorin, Leiterin, Dozentin, Managerin. Initiatorin diverser Frauennetzwerke international, bundesweit und regional; heute im UnRuhestand.

Dabei ehrenamtliches Projekt zur Frauenbewegung der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau auf WIKIPEDIA und Online-Projekt zur Frauenbewegung auf der Website www.ekhn.de / Gründungskuratorin der Faust-Kultur-Stiftung mit dem onlinemagazin www.faust-kultur.de. Engagiert bei www.berami.de zur Arbeit mit Geflüchteten, Mentoring in Frauenprojekten mit Migrantinnen.

Bis 2013 stellvertretende Direktorin der neugegründeten Evangelischen Akademie Frankfurt. Leiterin der Evangelischen Stadtakademie Römer 9 in Frankfurt am Main. Davor Leiterin des Zentrums Bildung der EKHN in Darmstadt. Dozentin für Weiterbildung Feministische Liturgie und Bibliodrama in der Bundeszentralen Fortbildung der EKD, Burckhardthaus Gelnhausen. Kooperation mit dem Frauen-Studien und Bildungszentrum der EKD in Gelnhausen. Von 1976 bis 1990 im Gemeindepfarramt und Fortbildung für Pfarrerinnen, Werkstätten Feministische Theologie und Netzwerk Frauen in der EKHN und EKD.

2 Kommentare

  1. Super, dass es Frauen gibt, die Zeit aufbringen, die Frauengeschichte zu dokumentieren! Vielen Dank.
    Ja, ich kann nur bestätigen, dass wir Frauen uns besser in den digitalen Medien vernetzen müssen. Die jüngeren Frauen sind digital vernetzt und suchen vor allem auch in den neuen Medien nach Wissenswerten.
    Wenn ich schon beim Schreiben bin, muss ich meinem Ärger doch Luft machen:
    Beim zentralen Reformationsgottesdienst der EKHN 2018!!! habe ich gedacht ich sehe nicht richtig: Nur Pfarrer waren am Gottesdienst beteiligt! 2 Frauen waren auch mal im Altarraum (aber ohne Talar!!), eine durfte die Kollekte ansagen und die andere die Fürbitten. Für mich ist das ein Skandal. Frauen sind in einem so wichtigen Gottesdienst nicht als Pfarrerinnen erkennbar.

  2. Danke für die Arbeit zu Frauen und Frieden. 75% der freiwilligen Friedensdienste werden von Frauen geleistet. Weltweit sind Frauen Akteurinnen auf der Suche nach Lösungen und in Friedensbemühungen. Bei Friedensverhandlungen aber bekommen sie keinen offiziellen Platz. Genderperspektiven werden marginalisiert. Wenn ich als vierte Friedenspfarrerin der EKHN auf die Besetzung von Gremien, Stellen und die Diskurshoheit zum Frieden im Raum der EKD schaue, dann ist’s nicht anders. In der Sprache des Neuen Testament ist das Wort Frieden weiblich und heißt „EIRENE“. Nur Mut, Frauen, wir sind viele!

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