#18 – Cornelia Moehring: Frauen, bildet Banden!

Cornelia-Möhring LINKE

Am 12. November 2018 jährt sich die Einführung des Frauenwahlrechts zum 100. Mal, im Januar 1919 durften Frauen wählen und sich wählen lassen. Dieses Recht war das Ergebnis eines harten und erbitterten Kampfes – besonders auf der Straße, aber auch im Parlament. Allein ein Blick auf die aktuelle Zusammensetzung des Deutschen Bundestags zeigt, dass dieser Kampf um politische Gleichstellung und Partizipation noch lange nicht beendet ist. Gerade einmal 30,7 Prozent der Abgeordneten sind weiblich.

Was damals galt, ist bis heute gültig und zieht sich wie ein roter Faden durch die letzten 100 Jahre Frauengeschichte: Frauen, bildet Banden! Von alleine bekommen wir nichts geschenkt. Bis heute müssen wir mühsam für die volle Gleichberechtigung in diesem Land streiten. Das war zur Einführung des Frauenwahlrechts so und bei allen weiteren Errungenschaften der Frauenbewegung.

Auch in jüngster Zeit waren wir immer dann erfolgreich, wenn wir uns über unsere Differenzen und unterschiedlichen politischen Einstellungen zusammengefunden haben, um gemeinsam etwas zu erreichen. Ein letzter großer Erfolg war die Verschärfung des Sexualstrafrechts 2016. Ein großes Bündnis von verschiedenen Organisationen hatte sich unter dem Motto „Nein heißt Nein“ zusammengefunden, um die Reform des Paragraphen 177 des Strafgesetzbuchs zu bewirken. Alle 601 Abgeordneten des Deutschen Bundestages stimmten – trotz zahlreicher Bedenken und Kritik im Vorfeld – am 07.07.2016 mit Ja.

Netzwerken? Ohne geht es nicht!

Netzwerke sind unerlässlich, wenn wir gemeinsam etwas erreichen wollen. Nur die Form des Netzwerkens, die hat sich sicherlich in den letzten 100 Jahren verändert. Musste Frau Selbert vor knapp 70 Jahren noch auf die Briefpost zurückgreifen, um Frauen für die Aufnahme des Satzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ ins Grundgesetz zu mobilisieren, so funktioniert die Mobilisierung im Zeitalter des Internets zunehmend über die sozialen Netzwerke. Frauenzentren und Frauenbuchläden gibt es leider nur noch wenige (eigene Räume sind wesentlich für Frauenkämpfe), die Vernetzung – vor allem von jungen Frauen und Frauen, die nicht in Vereinen, Parteien oder Verbänden organisiert sind – organisiert sich heute über Facebook, Twitter und Co. Welchen Sog und auch Veränderungskraft dies haben kann, wurde uns mit Kampagnen wie #aufschrei, #ausnahmslos und zuletzt #metoo deutlich. Der Aufschrei und die Empörung über Sexismus und sexualisierte Gewalt wurde im Netz groß, ging von dort aus auf die Straße und die Debatte hat die Kraft, eine ganze Gesellschaft zu verändern.

Auch im Hinblick auf das Wahlrecht sind die gemeinsamen Kämpfe noch nicht ausgefochten und Frauen-Netzwerke gefragt. Mit einem Drittel weiblicher Abgeordneter im Bundestag dürfen wir nicht zufrieden sein. Wir sollten uns zusammentun, um gemeinsam für ein paritätisches Wahlrecht zu kämpfen. Es ist Zeit für uns Frauen „Banden zu bilden“. und die Parität durchzusetzen.


Über die Autorin

Die Schleswig-Holsteinerin Cornelia Möhring ist seit 2009 für die LINKE Mitglied des Deutschen Bundestages und deren stellvertretende Vorsitzende und Frauenpolitische Sprecherin. Eine emanzipatorische Frauenpolitik ist der rote Faden ihrer politischen Arbeit. Nach ihrem Studium im Schwerpunkt feministische Theorien und Frauenarbeit war sie als Beraterin für betriebliche Interessenvertretungen tätig. Cornelia Möhring ist verheiratet, hat einen Sohn und eine Katze.

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