#16 – Andrea Wöllenstein: Internationale Solidarität unter Frauen

Andrea-Wöllenstein

Vor 20 Jahren sind wir uns zum ersten Mal begegnet. Anlässlich der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen war ich in Harare / Simbabwe. Neben den Delegierten aus aller Welt waren viele Gruppen und Initiativen vor Ort mit einem umfangreichen Begleitprogramm.

Ich kam ins Gespräch mit Frauen der Antiapartheidbewegung „Kauft keine Früchte aus dem südlichen Afrika“, die damals eng zusammen arbeiteten mit NGOs, die sich für die Verbesserung der Lebensbedingung auf den kommerziellen Farmen einsetzen. Sie luden mich ein, sie auf einer Fahrt zu begleiten, um die KUNZWANA WOMEN’S ASSOCIATION zu besuchen. Wir fuhren weit aus der Stadt heraus. Viele Kilometer durch unbebautes Land. Es war damals in der Hand weißer Großgrundbesitzer, denen mehr Land gehörte, als sie bewirtschaften konnten und wollten. Unser Ziel: Chibvuti, ein kleines Dorf von Landarbeiterfamilien. Dort traf ich Emma Mahlunge, die Gründerin von Kunzwana. Sie führte uns zur Grundschule des Ortes. Ein kleines Haus aus roten Steinen. Ohne Bänke, ohne Stühle. Die Kinder saßen auf der Erde und zeichneten mit Stöckchen die Buchstaben in den Lehmboden, die die Lehrerin an die Tafel schrieb.

Eine Schule für Frauen

Vor der Schule wartet eine Frauengruppe auf uns. Sie hatten Tee gekocht und freuten sich über unseren Besuch. Arbeit auf der Farm gab es für sie nur zur Erntezeit. Eigenes Land, um Gemüse für die Familie anzubauen, hatte niemand. Lebensmittel mussten im Laden des Farmbesitzers gekauft werden. Auf meine Frage: Was wünscht ihr euch am meisten? Kam die einhellige Antwort: „Eine Schule für Frauen. Wir wollen lesen und schreiben lernen!“ Und genau da setzt Kunzwana an: Mit Kursen für Frauen, die ihnen helfen, ihre eigene Situation zu verbessern. Alphabetisierung, Gesundheit, Gartenbau, Weben und Nähen, Herstellen von Seife und kunsthandwerklichen Produkten …sind nur einige der Themen. Der Traum von Emma Mahlunge damals: Ein Trainingscenter, in dem die Frauen auch übernachten können, weil die Farmen weit auseinander liegen und die Wege, oft zu Fuß, weit sind.

Schulpartnerschaft, die seit fast 20 Jahren besteht

Wieder zu Hause, habe ich in der Grundschule, in der ich damals unterrichtet habe, von Chibvuti erzählt. Von dem Haus ohne Stühle und Bänke, ohne Hefte und Stifte. Daraus ist eine Schulpartnerschaft entstanden, die seit fast 20 Jahren fortbesteht. Die Direktorin hat das Netz weitergewebt und zwei regionale Clubs der Soroptimistinnen für eine regelmäßige Unterstützung gewonnen. Besuche gingen hin und her. Bilder wurden gemalt, Pakete gepackt und Emails geschrieben. Inzwischen hat die kleine Schule von Chibvuti ihr Mobiliar, das von einem örtlichen Schreiner gefertig wurde. Kontakte wurden geknüpft zu Brot für die Welt und zur Ausbildungshilfe/Christian Education Fund. Heute ist Kunzwana Partnerin beider Werke. Und der Traum von einem Trainingscenter mit 60 Übernachtungsplätzen ist wahr geworden!

Unser Kontakt besteht weiter und geht in die „nächste Generation“: Emmas Tochter hat die Leitung von Kunzwana übernommen. Meine Tochter hat bei ihr nach dem Abitur ein Praktikum gemacht.


Über die Autorin

Andrea Wöllenstein ist Pfarrerin, seit 2005 beauftragt für Frauenarbeit, Ausbildung in „Dance of Life“- Körperbewusstsein, Spiritualität, Tanz. Zuvor hat sie als Gemeindepfarrerin in Bad Hersfeld und Bad Wildungen gearbeitet, war Beauftragte der Landeskirche für kirchlichen Entwicklungsdienst. Sie engagiert sich im Vorstand der „Ausbildungshilfe-Christian Education Fund“ und ist Autorin von Verkündigungssendungen im HR. Andrea Wöllenstein ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

 

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