#15 – Portrait: Emma Mahlunge, Gründerin der „Kunzwana Women’s Association“ in Simbabwe

Emma Mahlunge

Emma Mahlunge ist 1937 in Rhodesien geboren und in einer Landarbeiterfamilie aufgewachsen. Ihre Mutter starb, als sie 3 Jahre alt war. Ihr Vater, der in der Apartheid – Rhodesien als Gärtner für weiße Missionare gearbeitet hat, ermutigte und unterstützte seine 6 Töchter, zur Schule zu gehen.

Nach ihrer Heirat durfte sie nicht weiter berufstätig sein. So waren die Gesetze. Aufgrund ihrer Überzeugung, dass Frauen die Möglichkeit haben müssen, für sich selbst zu sorgen, öffnete sie ihr Haus für Frauengruppen, die sie in ganz verschiedenen Fertigkeiten ausbildete. 1965 war ihre Arbeit so bekannt geworden, dass sich verschiedene Firmen für sie interessierten. Sie wollten ihre Produkte auf dem afrikanischen Markt verkaufen und gaben ihr Rezepte und Zutaten für ihre Koch – und Backkurse.

Nach der Unabhängigkeit im Jahr 1980 hat sie sich selber weiter qualifiziert mit einem Studium und Diplom in Sozialer Arbeit. Als Sozialarbeiterin hat sie dann die katastrophalen Lebensverhältnisse von Frauen auf kommerziellen Farmen kennengelernt. Ohne schulische und berufliche Ausbildung waren sie völlig ihren Männern untergeordnet. Viele litten unter geschlechtsspezifischer Gewalt und unter ungerechten Erbgesetzen. Emma Mahlunge hat die Lage dieser Frauen öffentlich und die Gesetzgeber auf die ungerechten Verhältnisse aufmerksam gemacht. So kam es dazu, dass die gesetzliche Diskriminierung der Frauen nach und nach aufgehoben wurde.

Eine neue Herausforderung stellte sich durch die Landreform der Regierung, durch die die weißen Besitzer der kommerziellen Farmen enteignet wurden. Viele von ihnen verließen das Land, und mehr als 2 Millionen Farmarbeiter wurden arbeitslos. Mit ihren Familien wurden sie aus ihren Häusern vertrieben und wussten nicht, wohin sie gehen sollten. Emma Mahlunge nutzte ihr Pensionsgehalt, um ein Trainingscenter aufzubauen, wo die bettelarmen und obdachlosen Frauen der ehemaligen Farmarbeiter Schutz fanden, bis sie in nahegelegene Dörfer ziehen konnten. Dieses Zentrum ließ sie als „Kunzwana Women’s Association“ registrieren. Dort werden bis heute Frauen in praktischen Fähigkeiten unterrichtet wie die Fertigung von Kleidung, Stricken, Nähen, Weben, Landwirtschaft, Tischlern, Kleintierhaltung, Herstellen von Seife Erdnussbutter und anderen Lebensmitteln.

Um das Zentrum weiter auszubauen, hat sie Kontakte aufgenommen mit anderen Frauenorganisationen im Land und weltweit. Heute ist die „Kunzwana Women’s Association“ eine der bedeutendsten NGOs in Simbabwe mit 7650 Mitgliedern aus 215 Dörfern. Ihre Tochter, Dr. Emmie Wade, hat inzwischen die Leitung übernommen und führt die Arbeit ihrer Mutter fort.

Im März 2018 wurde Emma Mahlunge für ihr Lebenswerk ausgezeichnet mit dem „Human Rights Award“ (Menschrechtspreis)


Über die Autorin des Beitrags

Andrea Wöllenstein ist Pfarrerin, seit 2005 beauftragt für Frauenarbeit, Ausbildung in „Dance of Life“- Körperbewusstsein, Spiritualität, Tanz. Zuvor hat sie als Gemeindepfarrerin in Bad Hersfeld und Bad Wildungen gearbeitet, war Beauftragte der Landeskirche für kirchlichen Entwicklungsdienst. Sie engagiert sich im Vorstand der „Ausbildungshilfe-Christian Education Fund“ und ist Autorin von Verkündigungssendungen im HR. Andrea Wöllenstein ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

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