#11 – Tanja Lenke: Netzwerke sind essentiell, um gemeinsame Interessen zu vertreten

Tanja Lenke She-preneurs

Im November dieses Jahres können Frauen in Deutschland seit 100 Jahren wählen, denn am 30. November 1918 trat in Deutschland das Reichswahlgesetz mit dem allgemeinen aktiven und passiven Wahlrecht für Frauen in Kraft. Tatsächlich das erste Mal wählen durften Frauen im darauffolgenden Jahr bei den Parlamentswahlen 1919. Dieses Recht, das wir heute als selbstverständlich erachten, ist damals allerdings nicht „einfach so“ in Kraft getreten.

Bis Frauen in Deutschland 1919 das erste Mal an die Wahlurne treten und ihre Stimme abgeben durften, war es ein langer und beschwerlicher Weg. Möglich war dies nur, weil sich Frauen im ganzen Land zusammentaten und als Gemeinschaft für ihr Recht eintraten: Frauen gruppierten sich, verteilten Flyer, hielten Reden, unterzeichneten Petitionen und demonstrierten dafür, dass sie wie Männer alle Rechte und Pflichten der Staatsbürgerschaft bekommen. Heute würden wir diese Gemeinschaft übrigens Community nennen und uns wahrscheinlich über Netzwerke in Social Media, beispielweise Facebook, zusammentun. Aber die gab es damals natürlich noch nicht, was es für mich umso bemerkenswerter macht.

Eine weitere Errungenschaft für Frauen in Deutschland: Am 23. Mai 1949 wurde der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ im Artikel 3, Abs. 2 unseres Grundgesetzes als Verfassungsgrundsatz aufgenommen. Damit waren Frauen und Männer gesetzlich gleichberechtigt. Allerdings stoßen Frauen auch heute noch an eine „gläserne Decke“ – trotz der rechtlich verankerten Gleichberechtigung: Gründerinnen bekommen weniger finanzielles Funding als ihre männlichen Mitstreiter, Frauen in Führungspositionen sind in der Wirtschaft nach wie vor eine Seltenheit und in der Politik sind Frauen ebenfalls unterrepräsentiert, um nur ein paar Punkte zu nennen.

Netzwerke sind essentiell, um gemeinsame Interessen zu vertreten

Wenn wir uns heute für ein bestimmtes Thema engagieren möchten und zu diesem Thema eine Community aufbauen möchten, können wir dies mittels digitaler Tools tun. Natürlich ist der Aufbau einer Community nicht zwingend einfacher als vor 100 Jahren, denn das einstellen einer neuen Gruppe, z.B. bei Facebook, bedeutet ja nicht automatisch, dass man a) alle Gleichgesinnten dort findet und b) diese auf sich aufmerksam und für seine Gruppe gewinnen kann. Der Aufbau einer Community ist auch heute harte Arbeit.

Ich habe vor zwei Jahren die Plattform she-preneur als eine digitale Anlaufstelle für Gründerinnen und Selbständige gegründet und begleite diese als Gründungs- und Unternehmensberaterin auf ihrem Weg in eine erfolgreiche Selbstständigkeit. She-preneur ist zwar kein reines Netzwerk, aber der Communitygedanke ist wichtig für den Erfolg der Mitglieder. Ich finde es grundsätzlich wichtig, Menschen zu bestimmten Themen zusammenzubringen und ich befürworte Netzwerke, denn sie haben eine wichtige Funktion: so gibt es Branchennetzwerke, die für fachlichen Austausch sorgen, Netzwerke für junge Leute, für Erfahrene – und Netzwerke gezielt für Frauen. Und letztere haben Hochkonjunktur. She-preneur ist seit der Gründung vor zwei Jahren stark gewachsen. Für mich ist das ein klares Zeichen, dass es einen Bedarf gibt. Und ich sehe diesen Bedarf ja auch in meinem Umfeld.

Ich habe es selbst schon oft erlebt, dass Frauen zurückhaltender über ihr Business sprechen, wenn ein Mann im Raum ist. Es kommt eine Unsicherheit zu Tage, von denen viele gar nicht genau sagen können, warum diese plötzlich da ist. Aber sie ist da. Und ich möchte genau deshalb Frauen die Möglichkeit geben, in einer Community aus Frauen in Austausch auf Augenhöhe zu treten. Ich möchte ihnen einen Raum geben, dem sie offen über ihre Herausforderungen sprechen können. Und bei she-preneur können sie dies und nutzen es auch. Alle Frauen trauen sich in unserer Community, Fragen zu stellen. Ich glaube, es hat damit zu tun, dass sich innerhalb einer Community, einem Netzwerk, aus Gleichgesinnten automatisch eine Vertrautheit entwickelt, denn man ist eine von vielen, die alle dieselben Herausforderungen im Rahmen ihrer Selbstständigkeit haben. Der Austausch hilft und löst genau diese Unsicherheiten, die man im Umgang mit Fremden hat. Und oftmals sind Frauen aus unserem Netzwerk heute auch in Gegenwart von Männern viel selbstbewusster – und das ist mir wichtig.

Eine muss losziehen…und andere werden folgen

Und genau darum geht es doch bei den Netzwerken beziehungsweise beim Communityaufbau auch: Frauen schließen sich zu einem Thema, das ihnen wichtig ist – egal, ob beruflich oder privat – und tauschen sich, besprechen Ideen oder helfen sich gegenseitig bei Herausforderungen und setzen sich gemeinsam für ein Ziel ein.

Ich muss allerdings noch ergänzen, dass ich die Plattform und Community ehrlicherweise auch deshalb gegründet, weil es seinerzeit nichts Vergleichbares gab, als ich danach gesucht habe. Also habe ich selbst etwas ins Leben gerufen, was mir gefehlt hat in meiner Entwicklung als Selbstständige, damit andere Frauen nicht danach suchen müssen. Und auch das ist wichtig: Es muss eine vorangehen, der andere folgen können. Nicht jede Frau hat den Mut, etwas in Bewegung zu setzen, aber sobald sie merkt, dass es andere Frauen gibt, mit den gleichen Themen, dann ist sie bereit, sich dem anzuschließen. Genauso wird es mit dem Frauenwahlrecht auch gewesen sein, eine wird losgezogen sein und hat auf ihrem Weg ihre Mitstreiterinnen gefunden. Und gemeinsam als Netzwerk, als Community, haben sie etwas ganz Großartiges geschafft. Daher kann ich nur immer wieder dazu aufrufen und ermutigen: Traut euch, schließt euch zusammen und setzt euch für euer Thema ein. Es ist Zeit für Damenwahl und gemeinsam können wir viel mehr schaffen – egal in welchem Umfeld – als allein.


Über die Autorin

Tanja Lenke ist Business Strategin und Mentorin für Gründerinnen und selbständige Frauen. Seit 2013 bietet sie Orientierung, Strategie und praktischen Support, damit Frauen aus einer Geschäftsidee nachhaltig ein profitables Unternehmen aufbauen können. Seit April 2016 bietet sie neben ihrer individuellen Beratung zudem mit she-preneur eine digitale Plattform als Anlaufstelle für Gründerinnen und selbständige Frauen an und begleitet diese als Mentorin auf ihrem Weg in eine erfolgreiche Selbstständigkeit. Auf dem gleichnamigen Blog sind neben Tipps und Tools rund um die Selbstständigkeit auch Erfahrungsberichte und Interviews von und mit selbstständigen Frauen zu finden.

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