100 Jahre Frauenwahlrecht

Deborah Gillessen

Am 12. November 1918, somit vor genau 100 Jahren, verkündete der Rat der Volksbeauftragten, dass „alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften (…) fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen sind.“ Diese Regelung, dass nun auch Frauen in Deutschland stimmberechtigt und wählbar sind, fand auch wenige Wochen später im neuen Wahlgesetz Anwendung. Dort wurde folgendes formuliert: „Wahlberechtigt sind alle deutschen Männer und Frauen, die am Wahltag das 20. Lebensjahr vollendet haben.“

Am 19. Januar 1919 durften Frauen bei der Wahl zur Weimarer Nationalversammlung das erste Mal wählen gehen. Mit dieser Regelung war eine große Wahlrechtsreform auf den Weg gebracht. Ausgangspunkt für den erkämpften Erfolg war das individuelle Engagement und das verdichtende netzwerken von Frauen, die sich privat trafen oder in Vereinen zusammen schlossen, um für das Wahlrecht für Frauen und somit für die Gleichberechtigung zu kämpfen. (Lesen Sie dazu auch in der HNA-Zeitung: „Cassels neue Männer“: So reagierte die Region auf das Frauenwahlrecht)

Schauen wir in die heutige Zeit, so können wir festhalten, dass Frauen in den letzten 100 Jahren viel erreicht haben, auch mit Hilfe von Männern, die sie unterstützt haben. Jedoch herrschen weiterhin viele Missstände – insbesondere durch die aufgetretenen antifeministischen Frauen- und Familienbilder-, so dass wir noch nicht von einer tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter und somit noch nicht von Chancengleichheit sprechen können, obwohl der gesetzliche Rahmen – insbesondere auch durch Art 3 Abs. 2 des GG- geschaffen worden ist.

Die weiteren Bedingungen, die geschaffen werden müssen und eigentlich eine Selbstverständlichkeit für uns Menschen in einer gelebten Demokratie sein sollten sind u.a. die folgenden:

  • Gendergerechte Sprache (als Ausdruck unseres Denkens)
  • die körperliche Selbstbestimmung und die Verschärfung des Sexualstrafrechts
  • die Angleichung der Erwerbsquote
  • die Frauenquote, damit Frauen sichtbar werden und ihre Bedürfnisse untereinander vertreten können (Geschlechterparität im Parlament etc.)
  • die Entfernung der immer noch vorhandene Lohndifferenz
  • die Entfernung der Unterschiede bei der gesundheitlichen Versorgung
  • die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und beruflicher Karriere mit der Implementierung der erforderlichen Bedingungen zur konkreten Umsetzung
  • sowie die Angleichung des Status von Frauen in Kultur, Sozialökonomie, Medien, Kunst, Medizin und Wissenschaft an den der Männer

Insbesondere müssen auch Frauen gefördert werden, die nicht die Möglichkeit haben von Ihrer Teilhabe Gebrauch zu machen.
Eine selbstverständlich gelebte Chancengleichheit in unserer Gesellschaft ist somit noch nicht vorhanden. Die Kämpfe um gerechte Teilhabe, Respekt sowie Anerkennung der Würde eines jeden Menschens sind somit noch nicht vorbei.

99 Frauen und ein Mann haben in den Blogbeiträgen aus ihrer unterschiedlichen Perspektive auf das Thema Frauenwahlrecht geblickt, sich dadurch miteinander verbunden, also genetzwerkt, haben sich informiert, haben sich füreinander eingesetzt und sich gegenseitig gestärkt. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bei Ihnen allen bedanken, dass sie sich die Zeit genommen haben einen Beitrag zu verfassen!


Deborah Gillessen, Projektleitung „Frauen netzwerken“

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